Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Positiv / Negativ

P

„Stell dir Regen vor und versuch nicht an was Trauriges zu denken“, sagte Alissa zu mir, die am Fenster stand und mit ihren Fingern einigen Regentropfen folgte, die an der Scheibe hinunterliefen. Das klang wie eine abgedroschene Internetweisheit, aber tatsächlich konnte ich gerade an nichts Fröhliches denken, wenn ich die Tropfen so am Fenster zusammenlaufen sah. Es war dieselbe Trauer, die in...

Ein dummer Zufall

E

Ein fremder Typ läuft in eine Bar und sieht diesen anderen Kerl, ein Stammgast, ein Trinker. Er hockt sich zu ihm an den Tresen, winkt dem Kellner zu und bestellt ein Bier. Der andere bemerkt ihn gar nicht. Er hängt über seiner Flasche wie ein Baby, das beim Brustfüttern eingeschlafen ist und zählt die Wasserflecken auf dem Tresen. Der Kellner bringt das Bier und fragt den Fremden, ob er von hier...

White End (again)

W

Melted snow, a police car. A man in a coat. A view outside from a nice clean office. A world not set for winter, snow without coldness. A man with a job feels like a mouse in a box. Though the window is big, it’s not big enough to see the whole world. Behind those mountains there are always more mountains. Naked trees, a village lost. Its the white end again, like six months ago in Thailand...

Das Ende einer Fliege

D

Es war früh am Sonntagmorgen, der alte Kuhn saß über seiner Tageszeitung und wunderte sich über das Wetter der nächsten Tage. Mit aller Zeit der Welt schlürfte er seinen Kaffee und ließ seinen Blick immer wieder über die Terrasse auf seinen kleinen Garten schweifen, der in einem saftigen Grün mit lilafarbenen, gelben und orangen Akzenten in voller Pracht blühte. Er war sehr mit sich und seiner...

Herr vom Ende

H

Herr vom Ende saß in einer Zelle. Sie war gerade groß genug, um darin umhergehen zu können. Zwei Schritte hin und zwei zurück. Sie besaß ein kleines Fenster, das so hoch über dem Boden lag, dass nur Sonne und Mond sich weit genug emporheben konnten, um hindurch zu blicken. Herr vom Ende aber wusste nicht was jenseits des Fensters lag. Auch wusste er nicht mehr, weshalb er hierhergebracht worden...

Zinnsoldat

Z

Und wieder ist die Welt in meinem Kopf zerbrochen. Die Fragilität des Schönen ist besonders. Johnny zog als Soldat aus, sandte seinen Kampfschrei der flüchtenden Freiheit hinterher. Zwecklos zu sagen, dass er sie nie wiedersah. Weil sie nicht dieselbe Sprache sprachen. Und ich, ein fünfjähriges Kind, spiele nur mit Zinnsoldaten. Und wieder ist die Welt in meinem Kopf zerbrochen. Die Fragilität...

Der Pakt

D

Die vier Jungs waren in dieser Kneipe großgeworden. Jeder Tisch konnte die Geschichte eines versoffenen, lauten, pubertären Abends erzählen. Die Wirtin hatte ihnen schon Schnaps ausgeschenkt als sie noch 14 waren. Und als sie ihre 18 Geburtstage dort feierten, war sie ziemlich verdutzt, das wahre Alter der Freunde herauszufinden. Jetzt, da alle auf Mitte 20 zusteuerten oder sie schon hinter sich...

Einen Kater zu begraben…

E

„Nein, Herr Pfeiffer, tut mir leid, wir haben Ihren kleinen Rudi nicht gesehen“, sagte Jan’s Mama zu dem Mann am Telefon, während sie ihn mit der anderen Hand wegdrückte. Sie legte den Hörer auf die Brust und fragte: „Was ist denn?“ Die Antwort wartete sie erst gar nicht ab und hörte weiter Herrn Pfeiffers jammernder Stimme zu. „Ich versichere Ihnen, dass wir uns sofort melden, sollten wir Ihre...

Bahnstation

B

Es ist Eins nach Zwei. An einer Bahnstation. Verloren, die Uhr fixiert. Tick, Tack, entscheide! Bleibst du oder fährst du weiter? Vier nach Drei. Immer noch allein. Keine Entscheidung. Klick, Klack, alles nass. Regen auf dem Blechdach. Da, ein Zug. Fährt vorbei, nimmt einen Gedanken mit. Aus den Augen, aus dem Sinn. Welcher ist deiner? Menschen! Dort ein paar, da noch einer. Schwarze Silhouetten...

Ein Gedanke zu Bildschirmen

E

Das ist sicher nichts Neues und nichts, was nicht schon mal irgendwo erwähnt worden ist. Aber in letzter Zeit habe ich viel über Bildschirme, oder sagen, wir Handys, Kameras, Filme, Fotos, Social Media und Selbstinszenierung nachgedacht. Wir haben es geschafft, die Welt einzurahmen. Und desto mehr wir einrahmen, desto weniger einzurahmende Momente erleben wir. Klar, wir steigen auf irgendeinen...

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