Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Hans Knauf: Gedichtsammlung

H

Bislang habe ich auf dem Sinnblock nur meine eigenen Werke veröffentlicht. Doch ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich diese Plattform auch mit anderen freien Autoren teilen möchte, um ihnen die Chance zu geben, ihre Arbeiten zu präsentieren. Die kleine, aber feine Gedichtsammlung von Herr Knauf ist dafür ein würdiger Anfang, wie ich meine. Das Material hat mir seine Tochter, Petra...

NICHTS

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An jenem Morgen, nach einer Nacht voller seltsamer Träume und hitziger Schweißausbrüche, merkte ich, dass ich nicht mehr ich selbst war. Meine Persönlichkeit hatte sich in drei Teile gespalten. Nicht länger hatte mein Körper die Unstimmigkeiten halten können. Und so hatten sich zwei meiner Teile noch in derselben Nacht auf den Weg gemacht. Natürlich brach ich am Morgen sofort auf, um mich auf die...

Das Amt zur Erfassung und Nachsendung von emotionalem Ballast (AENB)

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Es war Nacht. In letzter Zeit war es immer Nacht, wenn ich wach war. Mein Bio-Rhythmus war vom vielen Reisen völlig durcheinander und mein Ziel so entlegen, dass ich lange Strecken in klapprigen Bussen zurücklegen musste, um dorthin zu kommen. Die Busfahrten nutzte ich, um zu schlafen, denn nachts, an den Haltestellen, musste ich wach bleiben, um den Anschluss nicht zu verpassen. Das Leben...

Es war der beste Sommer, es war der schlimmste Sommer

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Es war der schlimmste Sommer. Keiner der Jungs war mit seiner Familie in den Urlaub gefahren. Zum ersten Mal konnten sie die vollen sechs Wochen der Ferien gemeinsam verbringen. Doch ein Ereignis, das in diesem Jahr nicht nur das Ende der Sommerferien einläuten würde, sondern vielleicht auch das Ende einer besonderen Freundschaft, lag Jan, Cem, Fabi, Axel und besonders Maxi wie ein schwerer Stein...

Der alte Künstler von nebenan

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In der Wohnung gegenüber wohnte ein alter Mann. Bevor er in Rente gegangen war, war er Künstler gewesen, hatte er mir einst erzählt. Seiner Einrichtung nach zu urteilen, war er nicht unerfolgreich gewesen. Neben all den Anekdoten, die er mir aus seinem früheren Leben erzählt hatte, war es ihm nie in den Sinn gekommen, mir seinen Namen zu nennen. An seiner Klingel stand nur „Maler i. R.“, was...

Unsichtbarer Feind

U

Die Straßenlichter erleuchten mein Zimmer, doch können sie den Feind nicht sichtbar machen, der mich hier gefangen hält. Also starre ich weiter in den Fernseher, um hinter die Mauern meiner vier Wände zu schauen. Warten, bis etwas geschieht und hoffen, dass nichts passiert, lautet die Devise dieser Tage. Ich sehe meinen Nachbarn auf dem Balkon gegenüber und bin ihm nicht näher, als den Menschen...

Fallen für dich

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Ich fiel für dich, aber nicht in echt. Eher metaphorisch, wie die Engländer. Andererseits, eine Weile fiel ich tatsächlich. Durch Kaninchenbauten und nummerierte Wolkengebilde. Ausgemachter Unsinn, hätte im Nachhinein die grüne Brille kaufen sollen. Und der Doktor erkannte die Insekten im Bauch, konnte sich die Ursache aber nicht erklären. Es ist alles in meinem Kopf, sagte ich und verließ seine...

Geisterkneipe

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Draußen an der Tür haftet ein Schild: Geschlossen von 0 bis 24 Uhr. Die Schnapsflaschen stehen in Reih und Glied, seit Wochen hat sie niemand angerührt. Die Aschenbecher sauber wie nie, die Mücke von der Theke längst arbeitslos. Sie zieht einsam ihre Bahnen in einer Geisterkneipe. Ärgert sich, dass Geister keine Laster haben. Und so erhalten nur die Engel ihren Schluck, bis die Schnapsdrosseln...

2020 mit 220

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Ich hänge mich an die roten Lichter und verschwinde in der Nacht. Die weißen Streifen halten mich auf Kurs, während ich meine müden Augen an die Rückleuchten der Autos vor mir hefte. Solange ich Asphalt unter mir habe, bin ich richtig. Hätte ich gesehen, was vor uns liegt, hätte ich in den Rückwärtsgang gewechselt: direkt nach 1994. Jetzt bleibt nur die Flucht nach vorn und die Hoffnung, dass...

Winter im Frühling

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Ihr könnt euch die Geschichte dank Katja Wakeham jetzt auch anhören: „Ich sehne mich nach dem Sommer…“, sagte er mit gedankenverlorener Stimme aus dem Fenster blickend, mehr zu sich selbst, als zu seiner Freundin, die ein paar Meter hinter ihm stand, von wo aus sie ebenfalls rausschaute. „Wohl eher Winter!“, stellte sie ungläubig fest, als sie sah, dass es kleine Schneeflocken aus dem...

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