Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Dichtwoch #37 – Winterende

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Ist das Schwarz dort in der Ecke? Ist das die Nacht, die sich langsam über meine Decke legt? Liege ich im Schlaf oder vernebelt das Fieber mir die Sinne. Ein Blick aus dem Fenster, es ist fast so, als könnte ich fliegen. Die Sterne am Firmament zeigen mir den Weg. Weiter nur Bilder aus der Jugend im alten Zimmer, in dessen vier Wänden sich die kühnsten Träume in Luft auflösten. Ein winterlicher...

Dichtwoch #36 – Wecker

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Zeit geht weiter…Ist es nicht so?Ich nahm die Batterieaus meinem Wecker,auf den ich nächtelangschlaflos blickte.Die Zeiger sollten nichtohne dich weiterlaufen.Du warst Liebe in derersten Stunde.An einem Sonnentagim sonst dunklen Winter.Hast mehr Stundenin meinem Bett,in meinem Kopfverbracht,als jede flüchtigeBekanntschaft vor dir.Es war fast so,als hätte ich in denletzten fünf Jahrenjedes...

Dichtwoch #35 – Limerenz

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Gestern sah ich einen einfachen Mann und wünschte mir seine Normalität für mein Leben. Die Straße entlanggehen und Fast-Food-Werbung hinterhersehen, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Stattdessen fürchte ich die Wochen, in denen du nicht da bist. Früher war ich kurzsichtig, jetzt behindert ein 10 cm großer Bildschirm meine Sicht. Und deine Existenz blockiert mein Herz, sodass nichts...

Reset Your Brain

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„Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“ „Sieh sie dir doch an. Natürlich sind wir hier richtig!“ „Und du meinst, das ist eine gute Idee?“ „Hey, vertrau mir. Ist doch nichts dabei.“ Sie folgten dem Menschenstrom die dunkle Gasse entlang, in der ein unangenehmer, alles einnehmender Geruch von menschlichen Ausscheidungen in der Luft lag. „Riechst du das? Das ist ja widerlich!“ „Entspann dich...

Dichtwoch #34 – Regen

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Der Tag begann mit Regen. Die Sonne stieg hinterm blassen Grau der Wolken empor. Von meinem Balkon konnte ich alles sehen. Irgendwo in der Wohnung gegenüber klirrte das Frühstücksbesteck kurz vor halb sechs. Die Wanduhr tickte synchron mit den Kirchenglocken und die Stadt verschwand für einen Augenblick hinter ihrem Klang. Nicht länger wollte ich Zuschauer sein. Ich nahm meinen Schirm und trat...

Dichtwoch #33 – Zufriedenheit

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Willkommen zur großen heiteren Party. Willkommen in meinem Innersten. Nach 25 Jahren wünsche ich mir alles von einem Kind bis zum Suizid und dass nichts davon je in Erfüllung geht. Ich will Freiheit, teuer erkauft durch mein Angestelltengehalt. Ich will einen zweiten Körper für die Last meiner Gedanken und dann einen Kopf, in dem sie wahrhaftig frei sind. Veränderung passiert ab hier in jedem...

Dichtwoch #32 – Sadness

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I’ve been driving through sadness. Bad weather in my head. It’s been a punch-in-the-face-day. I was somehow happy, then life got in the way. Took another one in the gut for thinking of someone as a fag. Hated myself, went to church for it. Met god in a cafe, did small talk as if with an old friend. It takes time to become old friends and passion to become anything. Last Christmas I...

Steine im Wasser

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Als Kind warf ich einen Stein ins Wasser, um zu sehen, wie die Wellen riffeln. Die Erregung gefiel mir und bald kam ich wieder. Mit der Zeit wurde ich älter und stärker, die Steine wurden größer. Noch erholte sich das Wasser nach einem Wurf. Es muss mit 16 gewesen sein, als ich realisierte, wie aufregend die ständige Unruhe war. Immer mehr Steine schleppte ich ans Ufer, warf sie hinein und ließ...

Dichtwoch #31 – Ruby

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Tell ruby she’s a diamond. The one in a million. All compliments meant. Her eyes stared right into my heart. Tell ruby she’s unconventionally beautiful. Give her my regards. Maybe one day I’ll make it to Romania when I’m not so maniacally romantic. My love, my drug. Ruby in my veins, ruby in my lungs. And I never even knew her real name. So she stays like a rare stone...

Dichtwoch #30 – Weltschmerz

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Es ist das Glutamat im chinesischen Essen, für acht Euro die ganze Mahlzeit. Es sind die Erinnerungen an damals, markiert in Neongelb, ausgeleuchtet vom Alkohol. Es ist die alte Zeit, gefiltert durch eines Freundes Erzählung. Es ist das Nichtsahnen des Heranwachsens. Es ist der Job. Es ist nichts Bestimmtes und alles was du mir jemals über meine soziale Inkompetenz vorhieltest. Es sind die Spuren...

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