Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Wen es betrifft…

W

Wir begrüßen die Nacht mit billigem Wein. Du sagst: „Stopp! Lass den Mond noch etwas höher steigen!“ Die Dunkelheit soll uns einhüllen, bevor wir die Dinge sagen, die uns schon lange auf dem Herzen liegen. So nimmt der Mond seinen Lauf, während in uns eine Quelle zu sprudeln beginnt, die tief im Inneren entspringt. Ich wechsle zu Bier, weil ich Wein gar nicht mag. Überhaupt trinke ich...

Der Wald

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Ich saß im Wald und sah die Blätter fallen. Doch meine Augen zählten Geldscheine. Der Duft und die Farben sprachen vom Herbst, mein Verstand nur vom Ernst des Lebens. Ich schaute auf die Formen der Bäume und bemitleidete die Menschen. Zwischen ihren Kronen schimmerte blau die Unendlichkeit des Himmels und erinnerte mich an meine Sterblichkeit. Ich hoffte auf Stille und entkam nicht mal dem Lärm...

Mondeslinien und Du

M

Lass uns wachbleiben und die Linien des Mondes mit unseren kalten Fingern nachzeichnen. Ich will dir zeigen, welcher Stern mich immer an dich erinnert. Wie du mich ansiehst mit deinen großen Augen! Das weiße Licht komplimentiert deine Silhouette, die selbst in der dunkelsten Nacht alle Perfektion überschattet. Du bist ein menschgewordener Strahl Auroras, leuchtend hell in der Finsternis, ein...

Hans Knauf: Gedichtsammlung

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Bislang habe ich auf dem Sinnblock nur meine eigenen Werke veröffentlicht. Doch ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich diese Plattform auch mit anderen freien Autoren teilen möchte, um ihnen die Chance zu geben, ihre Arbeiten zu präsentieren. Die kleine, aber feine Gedichtsammlung von Herr Knauf ist dafür ein würdiger Anfang, wie ich meine. Das Material hat mir seine Tochter, Petra...

NICHTS

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An jenem Morgen, nach einer Nacht voller seltsamer Träume und hitziger Schweißausbrüche, merkte ich, dass ich nicht mehr ich selbst war. Meine Persönlichkeit hatte sich in drei Teile gespalten. Nicht länger hatte mein Körper die Unstimmigkeiten halten können. Und so hatten sich zwei meiner Teile noch in derselben Nacht auf den Weg gemacht. Natürlich brach ich am Morgen sofort auf, um mich auf die...

Das Amt zur Erfassung und Nachsendung von emotionalem Ballast (AENB)

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Es war Nacht. In letzter Zeit war es immer Nacht, wenn ich wach war. Mein Bio-Rhythmus war vom vielen Reisen völlig durcheinander und mein Ziel so entlegen, dass ich lange Strecken in klapprigen Bussen zurücklegen musste, um dorthin zu kommen. Die Busfahrten nutzte ich, um zu schlafen, denn nachts, an den Haltestellen, musste ich wach bleiben, um den Anschluss nicht zu verpassen. Das Leben...

Es war der beste Sommer, es war der schlimmste Sommer

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Es war der schlimmste Sommer. Keiner der Jungs war mit seiner Familie in den Urlaub gefahren. Zum ersten Mal konnten sie die vollen sechs Wochen der Ferien gemeinsam verbringen. Doch ein Ereignis, das in diesem Jahr nicht nur das Ende der Sommerferien einläuten würde, sondern vielleicht auch das Ende einer besonderen Freundschaft, lag Jan, Cem, Fabi, Axel und besonders Maxi wie ein schwerer Stein...

Der alte Künstler von nebenan

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In der Wohnung gegenüber wohnte ein alter Mann. Bevor er in Rente gegangen war, war er Künstler gewesen, hatte er mir einst erzählt. Seiner Einrichtung nach zu urteilen, war er nicht unerfolgreich gewesen. Neben all den Anekdoten, die er mir aus seinem früheren Leben erzählt hatte, war es ihm nie in den Sinn gekommen, mir seinen Namen zu nennen. An seiner Klingel stand nur „Maler i. R.“, was...

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