Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Auf der Bank

A

Dank Katja Wakeham jetzt auch zum Anhören verfügbar: Draußen bei den Feldern, weit hinten am Waldrand, stand eine Bank, auf der ich meine Mittagspausen verbrachte. Ich teilte sie mir mit einem Bären. Gemeinsam starrten wir in die Ferne; ich bis zu den Baumwipfeln, er über den Horizont hinaus. So teilten wir uns die Aussicht gerecht auf. Der Bär sprach nicht, überhaupt erweckte er nicht den...

GTA

G

Wieder so eine Nacht, mein Verstand will irgendwohin. Kann ihn nicht fassen, fahre stundenlang in GTA durch die Straßen, um ihn vielleicht noch irgendwo zu erwischen. Der Bildschirm simuliert Bewegung, die Gedanken liefern genug Treibstoff für meine geisterhafte Reise. Allein in meinem Zimmer komme ich weiter, als mich meine Füße oder ein Auto oder ein Flugzeug je bringen könnten. Reise von A wie...

Dichtwoch #52 – Jahresende

D

Die letzten Tage des Jahres schmelzen dahin wie der Schnee, der nicht gefallen ist. Die letzten Überbleibsel des diesjährigen Ichs werden verzehrt, wie die Krümel des Kuchens von Omas Hund. Die Tage werden kürzer, wenn das Jahr endet. Noch einmal schlendert man in Winterklamotten an alten Verhaltensmustern entlang. Die ersten Vorsätze fürs neue Jahr werden gemacht, zu den Silvesterraketen gepackt...

Dichtwoch #51 – Zeitmesser

D

Zeit und Zeit und Zeit… gibt es da kein anderes Wort? Eines nicht so abgenutzt und beschmutzt durch unendlichen Gebrauch. Die Zeit, sie rennt nicht mehr, sie hat das Fliegen gelernt und entgleitet mir, wo ich mich leise an sie heranschleiche. Ein Tag, ein Jahr, eine Dekade, da ist doch nichts, was bleibt! Mit Leib und Seele befestige ich mich an weltlichen Dingen, an denen die Zeit schon...

#Hammermann

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Die Geschichte könnt ihr euch in der Vertonung von Katja Wakeham auch anhören: Die Autos, die links an P vorbeifuhren, verschwanden bereits nach fünfzig Metern wieder im Nebel. Er sah ihren blasser werdenden roten Rückleuchten hinterher, bis sie weg waren. Dann ließ er seinen Blick über die Brüstung der Brücke schweifen, hinter der man an klaren Tagen das Tal, einige Dörfer und die Berge sehen...

Dichtwoch #50 – Du

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Komm, wir lernen fliegen. Ich weiß, uns wachsen Flügel. Lass uns nur daran glauben und Gott austricksen, wenigstens für eine Weile. Wir brauchen nie wieder reden, sei nur bei mir. Nichts ist real, außer dir. Ich mache dich schön und du meine Wirklichkeit. Du liebst mich und ich es, bei dir zu sein. Komm, wir umrunden die Erde. Ganz egal, auch mit meinem alten Dreirad aus Kindertagen. Wen schert...

Dichtwoch #49 – Engel

D

Sie wohnen hinter einer Nussschale im Mond. Nur selten berühren ihre Füße den Boden. Ständig halten Erdlinge sie für den Mann auf dem Schweizer Käse. Bei Halbmond rutschen sie bis zur unteren Spitze ab. Der meistbegehrte Angelplatz oberhalb der Erde. Die Fische, die sie fangen, atmen Luft und vergehen in der oberen Atmosphäre. Am besten beißen sie bei falschen Versprechungen. Der Himmel lockt sie...

Dichtwoch #48 – Warten

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Ich habe gewartet. Habe in Wartesälen und auf Taxis gewartet. Darauf, dass sich die Welt verändert und dass mir endlich Sackhaare wachsen. Habe auf das Ende eines langweiligen Gesprächs gewartet, um ein interessantes zu beginnen. Ich habe während des Wartens Leute beim Warten beobachtet und mich selbst beobachtet gefühlt. Ich warte nicht gerne, bin aber meist geduldig. Beim Warten hat man Zeit...

Dichtwoch #47 – Schneemann

D

Immer wenn es Sommer ist… Nein, es ist Winter. Nur dann blühen Mauerblumen in Mauerritzen auf. Dabei weiß jeder: Winter ist die Zeit zum Traurigsein und ich bin es nicht. Dieses Jahr war ich auf Reisen und nie weiter weg als dort, wo ich stand. Ich entdeckte fremde Länder, alte Kinder, Phasentrinker und einen Verrückten. Sie alle hielten einen Wegweiser zum Jetzt in der Hand und ich verzieh...

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