Sinnblock

von Lukas Böhl

Geschriebenes

Der Pakt

D

Die vier Jungs waren in dieser Kneipe großgeworden. Jeder Tisch konnte die Geschichte eines versoffenen, lauten, pubertären Abends erzählen. Die Wirtin hatte ihnen schon Schnaps ausgeschenkt als sie noch 14 waren. Und als sie ihre 18 Geburtstage dort feierten, war sie ziemlich verdutzt, das wahre Alter der Freunde herauszufinden. Jetzt, da alle auf Mitte 20 zusteuerten oder sie schon hinter sich...

Einen Kater zu begraben…

E

„Nein, Herr Pfeiffer, tut mir leid, wir haben Ihren kleinen Rudi nicht gesehen“, sagte Jan’s Mama zu dem Mann am Telefon, während sie ihn mit der anderen Hand wegdrückte. Sie legte den Hörer auf die Brust und fragte: „Was ist denn?“ Die Antwort wartete sie erst gar nicht ab und hörte weiter Herrn Pfeiffers jammernder Stimme zu. „Ich versichere Ihnen, dass wir uns sofort melden, sollten wir Ihre...

Bahnstation

B

Es ist Eins nach Zwei.An einer Bahnstation.Verloren, die Uhr fixiert.Tick, Tack, entscheide!Bleibst du oder fährst du weiter?Vier nach Drei.Immer noch allein.Keine Entscheidung.Klick, Klack, alles nass.Regen auf dem Blechdach.Da, ein Zug.Fährt vorbei, nimmt einen Gedanken mit.Aus den Augen, aus dem Sinn.Welcher ist deiner?Menschen!Dort ein paar, da noch einer.Schwarze Silhouetten im Schein des...

Ein Gedanke zu Bildschirmen

E

Das ist sicher nichts Neues und nichts, was nicht schon mal irgendwo erwähnt worden ist. Aber in letzter Zeit habe ich viel über Bildschirme, oder sagen, wir Handys, Kameras, Filme, Fotos, Social Media und Selbstinszenierung nachgedacht. Wir haben es geschafft, die Welt einzurahmen. Und desto mehr wir einrahmen, desto weniger einzurahmende Momente erleben wir. Klar, wir steigen auf irgendeinen...

Haikus

H

Der Nacht folgt die Dämmerung Sommerende _ Winter der nicht vorbei geht Eiszeit _ Du und die Jungs In den Kneipen Endlose Stunden _ Der Kater am Fenster sieht den Winter vorbeiziehen _ Happy Birthday an einen jungen Mann mit altem Verstand _ Zeit nach dem Sturm einvernehmlich ruhig _ Man schweigt aus Höflichkeit Bleibt sitzen _ Mann im Kleid ist eine Frau im Geist _ Das Klavier spielt eine...

Die Stadt

D

Die Treppen hoch zur Straße sind nass.Es regnet.Es ist dunkel.Oben laufen namenlose Silhouetten,Schatten.Ich geselle mich zu ihnen, wir werden eins.Vorbei an Varietés und Fast-Food-Restaurants.Ich könnte mir Sex kaufen oder einen Burger,oder Alkohol, aber keinen Namen.Wo gehen wir hin?Das Pepsischild dort an der BarBerichtet von besseren Zeiten.Es regnet.Einen Schirm, der Herr?Danke!Die...

Ein letzter Blick

E

Die Nacht ist so dunkelwie die Ringe unter meinen Augen.Ich will sie anhalten und fragen:Hey, wie meisterst du dein Leben?Bist du glücklich und zufrieden?Sie sieht wunderschön aus,als sie vorbeigeht.Schätze, ich frage sie nicht,sie zieht weiter,bleibt eine Fremde.Heute Nacht verlässt sie die Stadt,hinterlässt eine Kerbe,dieser Ort verliert einen Diamanten.Regen fällt vom Himmel,weint um die...

Was und wer ist meine Generation?

W

Irgendwann stellt sich jeder Heranwachsende diese Frage, mehr noch, er fragt sich, ob er selbst zu dieser Generation gehört. Denn die Gesetzmäßigkeiten einer solchen werden nicht von denen geschrieben, die dazu gehören, sondern von denen, die sie von außen beobachten. Den Leuten, die auf der Couch sitzen, Augen weit auf, Hirn zu, Nachrichtenfluss rein. Meinung gebildet, bevor ein Gedanke...

Moderne Gedichte im 21. Jahrhundert

M

Heute ist bestimmt nicht weniger Platz für Gedichte als vor 100, 500 oder 1000 Jahren. Poesie in neuer Form – Rap und Hip Hop – läuft rauf und runter in deutschen Kinderzimmern. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass für das klassische Gedicht kein Platz mehr ist. Vielleicht war es das nie und jede Generation muss diesen Platz für sich selbst schaffen. Es gibt noch Menschen, die...

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