Meine Erfahrung als Autor mit Textbroker

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Textbroker wirbt mit dem Versprechen, mit deinen Texten schnell Geld zu verdienen. Klingt erst mal toll, aber wie das in der Realität aussieht, will ich dir in diesem Beitrag aufzeigen.

Im Sommer 2017 war ich anderthalb Monate als Texter auf Textbroker aktiv und schildere hier meine ungefilterten Erfahrungen.

Anmeldung und Einstufung

Bevor du loslegen kannst, musst du dich logischerweise zunächst registrieren. Neben der Angabe deiner persönlichen Daten, musst du auch deine Fachgebiete angeben.

Keine Sorge, du wirst später themenübergreifend Aufträge annehmen können. Außerdem kannst du die Angaben später in deinem Profil erweitern und ändern.

Anschließend folgt ein kleiner Rechtschreib- bzw. Grammatiktest, bei dem ein Countdown abläuft, sodass du keine Zeit hast, die richtige Antwort zu googeln.

Zu guter Letzt musst du einen Probetext abliefern. Diesen kannst du entweder direkt in das Textfeld eingeben oder du kopierst einen bereits geschriebenen Text von dir. 

Screenshot: Anmeldeformular Textbroker

Nun heißt es warten.

Ein Mitarbeiter schaut sich deinen Text an und stuft dich in eine Texterklasse ein. Dabei wird nach einem Sternesystem vorgegangen.

Von 1 bis 5 Sternen wirst du deiner vermeintlichen Fähigkeit entsprechend eingestuft. Dabei ist 1 Stern die niedrigste Stufe und 5 die höchste.

Meine Einstufung und Wortpreis

  • 4-Sterne
  • Wortpreis von 2,8 ct

Nicht schlecht, dachte ich und habe mich erst mal darüber gefreut. Natürlich grämt man sich ein wenig, dass man nicht gleich 5-Sterne bekommen hat, aber das sind dann die Leute, die absolut keine Fehler machen und konsequent qualitativ einwandfreie Texte abliefern.

Hier muss also geschaut werden, wie sich der Texter entwickelt und ob er das Niveau halten kann. So kann er mit der Zeit aufsteigen.

Erste Schritte 

Gut, nun war mein Profil aktiv und ich konnte loslegen. Bevor ich mich an einen Auftrag gewagt habe, vervollständigte ich zunächst mein Profil.

Dort kann man seine Fähigkeiten, Abschlüsse, Sprachkenntnisse, Interessen, Textproben und sogar Reiseorte hinterlegen.

Diese Angaben sind wohl eher für DirectOrders interessant, da man die normalen Aufträge gemäß seiner Einstufung einfach so annehmen kann.

Normale Aufträge

Die Aufträge werden dir in einer übersichtlichen Liste nach Kategorien aufgeteilt präsentiert. Kategorien sind zum Beispiel Games, Hobbys, Musik, Internet etc.

Insgesamt gibt es 56 Kategorien, in die die Auftraggeber ihre Aufträge posten können:

Screenshot: Auszug von Auftragsliste auf Textbroker

Theoretisch klingt das erst mal nach viel, allerdings sind in der Praxis vielleicht ein dutzend Kategorien gut mit Aufträgen bestückt.

Davon sind die Hälfte mit überdurchschnittlich vielen Aufträgen befüllt. Das liegt vor allem an der Ausrichtung, im Bereich Gesundheit sind oftmals die meisten Aufträge zu finden.

Bedenkt man den oben genannten Cent-Preis und die aufwändige Recherchearbeit für so komplexe Themen, sollte einen das nicht wundern. Aber darauf gehe ich später nochmal genauer ein.

Aufträge nach Fähigkeiten

Weiterhin sind die Kategorien nach Sternen aufgeteilt. Das heißt, es gibt Aufträge für Texter mit 2 Sternen, 3 Sternen usw. Die Aufträge, die über deiner Bewertung liegen, sind für dich geschlossen, die, die darunter liegen sind offen.

Als 4-Sterne-Texter konnte ich also Aufträge mit 2-, 3-, und 4-Sterne-Einstufung annehmen. 5-Sterne-Aufträge waren für mich gesperrt.

Desto niedriger die Einstufung, desto geringer die Verdienstmöglichkeiten. 

Auftragsannahme

Hast du eine interessante Kategorie gefunden, klickst du einfach hinein und bekommst eine Liste mit allen verfügbaren Aufträgen aufgezeigt.

Neben dem Titel findest du dort die vorgegebene Bearbeitungszeit in Tagen, die geforderte Wortanzahl sowie die Verdienstspanne, die sich nach der Wortanzahl richtet. 

Durch Klicken auf den Auftragstitel gelangst zum Briefing. Hier kannst du schauen, ob dir der Auftrag liegt.

Während du den Auftrag geöffnet hast, ist er für dich reserviert, allerdings nur für 10 Minuten, danach wird er wieder freigegeben.

Um ihn annehmen zu können, musst du schließlich durch das Setzen eines Häkchens bestätigen, dass du auf ein Recht als Urheber verzichtest und der Auftraggeber mit dem Text machen kann, was er will.

Briefing

Bis hierhin war alles in Ordnung. Allerdings kam ich beim Briefing das erste Mal ins Stocken. Bei manchen Aufträgen, die durchaus umfangreich waren, bestand das Briefing aus einigen wenigen Sätzen.

Textbroker gibt hier ein Standardformular vor, in das so mancher Auftraggeber seine spärlichen Infos hineinpackt.

Gut, dafür kann Textbroker nichts und es besteht die Möglichkeit, dem Auftraggeber eine Nachricht zu schreiben, um nach mehr Details zu fragen.

Dennoch empfinde ich bei den Verdienstaussichten jegliche Extraanstrengung als vergeudete Zeit. So lässt man manchen Auftrag links liegen.

DirectOrders

War man eine Weile auf der Plattform unterwegs und hat sich sozusagen einen Namen gemacht, besteht die Chance, dass man von Kunden direkt gebucht wird.

Bei diesen DirectOrders ist der Wortpreis höher (bei mir betrug er 4 ct pro Wort) und kann mitunter sogar selbst mit dem Kunden ausgehandelt werden.

Die Kommunikation ist hierbei deutlich besser als bei den normalen Aufträgen und man ist durch die höheren Verdienstmöglichkeiten durchaus motivierter.

Bei mir dauerte es vielleicht einen Monat, bis ich die erste Anfrage erhielt.

Aufträge schreiben

Meine anfänglichen Erfahrungen waren durchaus positiv, mal abgesehen vom mageren Verdienst. Ich habe mit kleinen Aufträgen angefangen, um zu sehen, wie das System funktioniert.

Man verfasst den Text, kopiert ihn in ein Textfeld, formatiert und korrigiert ihn, und schickt ihn dann los.

Manche Auftraggeber haben Vorgaben zu Keywords, die so und so oft genannt werden müssen.

Der Auftrag kann also erst abgeschickt werden, wenn die gewünschten Keywords sinnvoll eingefügt worden sind.

Ernüchterung

Für meinen ersten Text habe ich 4,55 € bekommen. Für den zweiten 1,91 €.

Also habe ich angefangen, nach größeren Aufträgen zu suchen. Für einen Text mit 1.000 Wörtern habe ich schließlich 13 € bekommen.

Dies nur als erster Eindruck zu den Verdienstmöglichkeiten bei Textbroker. Dazu später mehr.

Erfahrungen mit dem Bewertungssystem bei Textbroker

Die verfassten Texte können nach der Abnahme vom Kunden und von Textbroker selbst bewertet werden.

Der Kunde kann folgende Kriterien bewerten:

  • Fachwissen & Umsetzung
  • Rechtschreibung & Grammatik
  • Ausdruck & Lesefluss
  • Absprache & Zuverlässigkeit
Screenshot: Kundenbewertung auf Textbroker

Zwar heißt es, dass auch ein Mitarbeiter von Textbroker über die Texte schaut, allerdings war das bei insgesamt 17 eingereichten Texten nur bei 6 der Fall.

Jetzt, mehr als ein Jahr später, steht die Bewertung für 11 Texte immer noch aus.

Screenshot: Textbroker Autoren-Statistik

Warum das frustrierend ist?

Nur durch diese Bewertungen von Textbroker selbst kannst du in der Sterne-Bewertung aufsteigen (oder absteigen).

Viel Feedback gibt es darüber hinaus nicht, hier und da wird im Text eine Stelle angestrichen und bemängelt.

Ansonsten bekommt man die bereits bekannte Sterne-Bewertung.

Bei den 6 Texten konnte ich wenigstens meine 4-Sterne-Bewertung halten. 

Kundenfeedback teils unverständlich

Das hier richtet sich nicht gegen Textbroker, allerdings habe ich die Erfahrung gesammelt, dass die Kunden teilweise sehr unfair bewerten.

Zum Beispiel habe ich einmal eine mittelmäßige Bewertung bei Absprache & Zuverlässigkeit bekommen, obwohl ich den Text noch am selben Tag eingereicht und überhaupt keinen Kontakt zum Kunden gehabt hatte.

Darüber hinaus ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Bewertung so ausgefallen ist. Kommentare dazu gibt es nicht. 

Auszahlung bei Textbroker

Das Geld wird bei Textbroker deinem internen Konto gutgeschrieben. Sobald du 10 € verdient hast, kannst du eine Auszahlung anfordern.

Bei der Auszahlung ist Textbroker schnell und seriös. Das Geld war innerhalb weniger Tage auf dem Konto.

Zu jeder Auszahlung gibt es eine Gutschrift als PDF für deine Steuerunterlagen.

Einordnung meiner Erfahrung

Alles in allem habe ich gemischte Gefühle gegenüber der Plattform. Zwar habe ich relativ schnell und einfach Geld verdient, doch im Vergleich zum Aufwand ist der Ertrag nicht nennenswert.

So halbwegs vernünftig verdient man erst mit Texten von einer Länge ab 1.000 Wörtern. Und das ist nicht wenig. Machen wir eine Beispielrechnung.

Beispiel zum Verdienst bei Textbroker:

Auftrag mit 1.000 Wörtern für 13 €

  • 1 Stunde Schreib- und Rechercheaufwand
  • Halbe Stunde Korrekturarbeit
  • 5 Minuten zum Hochladen bei Texrbroker

Insgesamt: 1 Stunde und 35 Minuten 

Das macht einen Stundensatz von 8,21 €

Dabei solltest du nicht vergessen, dass ich eine Einstufung von 4-Sternen hatte. Als 3- oder 2-Sterne Texter würde dein Verdienst noch geringer ausfallen.

Oftmals waren die Briefings wirklich unzureichend. Jede Korrespondenz mit dem Auftraggeber hätte ich wiederum in meine obige Kalkulation einberechnen müssen, das heißt, mein Stundensatz wäre noch magerer geworden. Von daher schreibt man einfach drauf los und muss im schlimmsten Fall nochmal ran.

Bei einem Auftrag musste ich zweimal nachbessern und habe im Endeffekt 7,80 € daran verdient. Und das bei zwei oder drei Stunden Arbeitsaufwand. 

Auftragsdichte

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwar viele Aufträge vorhanden sind, doch die Anforderungen teils so astronomisch ausfallen, dass man angesichts des geringen Verdienstes lieber die Finger davon lässt.

Die einfachen Aufträge werden schnell weggeschnappt. Was übrig bleibt, sind sehr themenspezifische Aufträge, die oftmals mit viel Recherche verbunden sind.

Die Kunden glauben, für einstellige Eurobeträge das Nonplusultra geistiger Kreativarbeit zu erhalten. Jede Nachbesserung schmälert den ohnehin schon mageren Stundenumsatz bei Textbroker. 

Mein Verdienst bei Textbroker

Jetzt will ich dir noch aufzeigen, wie viel ich tatsächlich mit Texten auf Textbroker verdient habe. Ich war 2017 knapp anderthalb Monate auf der Plattform tätig und habe 17 Texte verfasst.

Mein Verdienst: 147, 38 €

Das macht im Schnitt pro Text: 8,67 €

Die 8,67 € wären demnach auch mein Stundenumsatz, wenn ich pro Text eine Stunde einrechnen würde.

Allerdings waren teils sehr zeitaufwändige Themen dabei, weshalb mein Stundensatz wohl irgendwo bei 6 € gelegen haben dürfte und das als 4-Sterne-Texter.

Letzte Anregungen

Wenn du gerade am überlegen bist, ob du dich auf der Plattform anmelden sollst, will ich dir hier noch einige Hinweise geben.

Die Themengebiete Gesundheit, Online-Marketing, Technik und Produktbeschreibungen sind meiner Erfahrung nach am gefragtesten bei Textbroker.

Wenn du dich in diesen Bereich besonders gut auskennst, wird sich das vermutlich positiv auf deine Verdienstmöglichkeiten auswirken.

Wenn ich sage „gut auskennen“, dann meine ich das auch so. Die Anforderungen an die Texte sind mitunter so hoch, dass du vom Fach sein solltest, wenn du nicht gerade Lust hast, dich stundenlang durch Wikipedia-Einträge zu kämpfen. 

Positives:

  • Vergleichsweise viele Aufträge
  • Aufträge können themenübergreifend angenommen werden
  • Auszahlungen bereits ab 10 € möglich
  • Aussicht auf DirectOrders spornt an

Negatives:

  • Teils unübersichtliche Seitenstruktur
  • Mitunter zu hohe Anforderungen bei zu geringem Verdienst
  • Unzureichendes Bewertungssystem 
  • Aufstiegsmöglichkeiten in der Einstufung sehr schwer

Fazit:

Heute würde ich mich dort nicht mehr registrieren. Es gibt bessere Wege als Texter Geld zu verdienen. Die Bezahlung steht in keiner Relation zu den Anforderungen und dem damit verbundenen Zeitaufwand.

Vielleicht ist Textbroker für Hobbytexter und Studenten, die nebenbei etwas dazuverdienen wollen, ganz nett. Aber für professionelle Texter ist es mit der Zeit einfach nur frustrierend.

Gerade, wenn man bedenkt, dass man für so wenig Geld sein Urheberrecht einfach abtritt und nirgends namentlich erwähnt wird.

Ich hoffe, ich konnte dir mit den Schilderungen meiner ehrlichen Erfahrungen zu Textbroker weiterhelfen.

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