VG Wort einfach erklärt: Funktion, Verdienst und Einnahmequellen

Du fragst dich, was die VG Wort ist und wie man mit ihr als Autor Geld verdienen kann? Dann bist du hier genau richtig!

In diesem Beitrag erkläre ich dir, was die VG Wort macht, wie sie als Einnahmequelle für Autoren und Journalisten funktioniert und woher das Geld überhaupt stammt.

Fangen wir mit den Basics an."

Was ist die VG Wort?

VG Wort steht für Verwertungsgesellschaft Wort. Sie ist eine von insgesamt 13 Verwertungsgesellschaften in Deutschland. Die VG Wort ist nach der GEMA und GVL die drittgrößte Verwertungsgesellschaft in Deutschland. 2020 nahm sie durch die Wahrnehmung von Urheberrechten 209,94 Millionen Euro ein. Das ist ein riesiger Batzen Geld!

Woher stammt die ganze Kohle?

Bevor ich diese Frage beantworte, sollten wir uns zunächst ansehen, wozu es die VG Wort überhaupt gibt und was sie macht.

Was macht die VG Wort?

Die VG Wort ist wie alle anderen Verwertungsgesellschaften auch ein privatrechtlicher Verein, in dem sich Urheber zusammengeschlossen haben. Im Falle der VG Wort (wie der Name schon vermuten lässt) vor allem Autoren und Journalisten. Diese erschaffen durch ihre Arbeit geistiges Eigentum, das laut Urheberrecht schutzwürdig ist und dem Urheber Verwertungsrechte einräumt, die Vergütungsansprüche nach sich ziehen. Die VG Wort sammelt im Auftrag ihrer Mitglieder diese Vergütung ein und teilt sie nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel einmal im Jahr aus.

Jetzt nochmal leicht verständlich…

Ok, ok, das klingt alles sehr kompliziert. Hier mal ein einfaches Beispiel aus der realen Welt:

Ich als Autor veröffentliche regelmäßig Kurzgeschichten im Internet. Als Privatperson ist es mir unmöglich, nachzuvollziehen, wo, wie oft und in welcher Weise meine Geschichten verbreitet werden. Um meinen Vergütungsanspruch durchzusetzen, müsste ich jeder Person eine Rechnung schicken, die meine Werke in einer durch meine Verwertungsrechte geschützten Form verwendet.

Da ich das nicht kann, habe ich mich bei der VG Wort angemeldet und einen Wahrnehmungsvertrag mit ihr geschlossen. Durch diesen Wahrnehmungsvertrag habe ich der VG Wort meine Verwertungsrechte übertragen und sie damit beauftragt, meine Vergütungsansprüche geltend zu machen. Dafür bezahle ich eine Verwaltungsgebühr, die mit meinen Einnahmen verrechnet wird.

Falls du mehr über die einzelnen Verwertungsrechte erfahren willst, empfehle ich dir diesen Beitrag auf urheberrecht.de.

Woher kommt das Geld?

Kommen wir nun zum wirklich wichtigen Teil: Wie nimmt die VG Wort Geld ein?

Oben habe ich dir bereits erläutert, dass die VG Wort Vergütungsansprüche für ihre Mitglieder durchsetzt. Nun kann selbst eine so große Gesellschaft wie die VG Wort nicht jedem Einzelfall nachgehen. Aus diesem Grund zieht die VG Wort das Geld von möglichen Vergütungspflichtigen ein, wie sie in ihrer Infobroschüre schreibt.

Das heißt, jedes Unternehmen, jede öffentliche Einrichtung oder andere Institutionen, die theoretisch geistiges Eigentum der VG-Wort-Mitglieder verbreiten oder zu dessen Verbreitung beitragen, sind vergütungspflichtig.

Im Geschäftsbericht 2020 der VG Wort sind 18 Einnahmequellen genannt. Darunter zum Beispiel Bibliotheken, Hörfunk und Fernsehen oder auch Hersteller von Kopiergeräten. Die kompletten Geschäftsberichte der letzten Jahre findest du auf dieser Seite, falls du dir einen umfassenderen Überblick über die verschiedenen Einnahmequellen der VG Wort verschaffen willst.

Einnahmequellen der VG Wort 2019 und 2020. (Quelle)

Wie verdient man Geld mit der VG Wort?

Damit die VG Wort deine Rechte als Urheber durchsetzen kann, musst du zunächst einen Wahrnehmungsvertrag abschließen. Für die Mitgliedschaft bei der VG Wort musst du jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem musst du einer der folgenden 6 Berufsgruppen angehören:

  • Berufsgruppe 1: Autoren und Übersetzer belletristischer und dramatischer Werke
  • Berufsgruppe 2: Journalisten, Autoren und Übersetzer von Sachliteratur
  • Berufsgruppe 3: Autoren und Übersetzer von wissenschaftlicher und Fachliteratur
  • Berufsgruppe 4: Verleger belletristischer Werke und von Sachliteratur
  • Berufsgruppe 5: Bühnenverleger
  • Berufsgruppe 6: Verleger von wissenschaftlichen Werken und von Fachliteratur

Außerdem musst du in dem angegebenen Berufsfeld einen Mindestbetrag pro Jahr verdienen, um aufgenommen zu werden. In den Berufsgruppen 1 bis 3 sind das derzeit 400 € pro Jahr, in den Gruppen 4 bis 6 sind es 2.000 €. Alle weiteren Voraussetzungen für die Aufnahme findest du in der Satzung der VG Wort.

Ausschüttungsquoten der VG Wort für Texte im Internet 2020 und 2021. (Quelle)

Der Wahrnehmungsvertrag muss jeweils bis zum 31. Dezember bei der VG Wort eingegangen sein, um die Einnahmen aus dem entsprechenden Jahr erhalten zu können. Insgesamt gibt es 13 Kategorien, in denen Auszahlungen stattfinden.

  • Belletristik und Kinderbücher
  • Fernsehen
  • Hörfunk
  • Nicht verteilbare Einnahmen
  • Publikumszeitungen und -zeitschriften
  • Sachliteratur
  • Schul-, Kirchen- und Blindenbücher
  • Sprachtonträger
  • Texte im Internet (METIS)
  • Vervielfältigen in Schulen
  • Video / DVD
  • Vorträge und Lesungen
  • Wissenschaftliche Publikationen

Ein Vergütungsanspruch für die einzelnen Kategorien besteht selbstverständlich nur dann, wenn eines deiner Werke in den genannten Fällen zum Einsatz kam. Für jeden Bereich musst du einmal im Jahr eine Meldung erstellen, um an der Ausschüttung der Vergütung teilnehmen zu können. Dabei gibt es diverse Fristen, die eingehalten werden müssen. Die Meldungen kannst du in der Regel online über das Registrierungs- und Meldeportal der VG Wort einreichen. In manchen Kategorien ist darüber hinaus eine schriftliche Meldung auf dem Postweg möglich.

VG Wort als Einnahmequelle: Erfahrungsbericht

Nun habe ich dir viel theoretisches Wissen über die VG Wort vermittelt. Von daher ist es an der Zeit, in die Praxis überzugehen und ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich bin seit 2018 Mitglied bei der VG Wort und habe bereits drei Ausschüttungsrunden mitgemacht. Bislang habe ich aber nur Vergütungen für meine Arbeit als Blogger und SEO-Editor bei den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung erhalten.

Auf meinen eigenen Webseiten baue ich ein sogenanntes Zählpixel ein. Dabei handelt es sich im wahrsten Sinn des Wortes um ein Pixel (Bilddatei), das man in den Texten im Internet einbindet und worüber dann die Aufrufe gezählt werden. Um eine Vergütung für einen Text zu erhalten, muss dieser mindestens 1.800 Zeichen umfassen und 1.500 Aufrufe in einem Jahr verzeichnen. Die Höhe der Ausschüttung hängt von den Einnahmen der VG Wort ab und davon, ob es eine Verlagsbeteiligung gibt oder nicht. In den letzten Jahren habe ich pro gültigem Text zwischen 30 und 45 € bekommen.

So sieht das Zählpixel für diesen Text aus.

Anders sieht es bei den Texten aus, die ich für die Online-Portale der Zeitungen schreibe. Dort kann ich kein Zählpixel einbauen und muss an der Sonderausschüttung teilnehmen. Dabei melde ich lediglich das Portal, auf dem die Texte erschienen sind und wie viele Artikel, die den Vorschriften entsprechen, ich im Meldejahr veröffentlicht habe. Dafür gibt es dann eine Pauschalvergütung, die sich an der Anzahl der veröffentlichen Texte orientiert und deutlich geringer ausfällt, als für die Texte mit Zählpixel.

Wie viel Geld lässt sich mit der VG Wort verdienen?

Wie gesagt, über andere Ausschüttungsverfahren als Texte im Internet (METIS), kann ich nichts sagen. Ich kann daher nur von meiner Erfahrung als Blogger berichten. Willst du mehr darüber wissen, wie viel du zum Beispiel als Buchautor mit der VG Wort verdienen kannst, empfehle ich dir einen Blick in die Ausschüttungsinformationen für die letzten Jahre zu werfen.

Meine Einnahmen sind bis jetzt von Jahr zu Jahr gestiegen. So komme ich mittlerweile auf einen vierstelligen Auszahlungsbetrag, der natürlich noch versteuert werden muss. Das Gute daran ist, dass jeder Text nur einmal gemeldet werden muss. Erreicht zum Beispiel einer meiner Artikel aus dem Jahr 2018 auch im Jahr 2021 die Mindestaufrufzahl, muss ich diesen nicht erneut über das Online-Portal melden und erhalte automatisch eine Vergütung.

Um dir einmal zu veranschaulichen, wie viel du verdienen könntest, habe ich anhand der Ausschüttungsquoten für 2021 zwei Beispiele erstellt.

Beispielverdienst bei der VG Wort

Einnahmen mit Zählpixel

Im Jahr 2021 wurden für Texte im Internet, die für die reguläre Ausschüttung qualifiziert waren, 45 € für das Jahr 2020 ausgezahlt. Gehen wir also davon aus, dass du 30 Texte zur Ausschüttung anmelden konntest, hättest du im Oktober 2021 1350 € abzüglich Verwaltungsgebühren und Steuern ausgezahlt bekommen. Im Jahr 2020 wären es bei 40 € immerhin noch 1200 € abzüglich Verwaltungskosten und Steuern für das Jahr 2019 gewesen.

Einnahmen ohne Zählpixel

Bei der Sonderausschüttung für Texte ohne Zählpixel hättest du im Jahr 2021 mit den folgenden Einnahmen für das Jahr 2020 durch die VG Wort rechnen können. Auch hiervon müsstest du wieder die individuellen Verwaltungsgebühren + deinen persönlichen Steuersatz abziehen.

  • 1 – 20 Texte: 20,00 €
  • 21 – 60 Texte: 60,00 €
  • 61 – 120 Texte: 120,00 €
  • 121 – 240 Texte: 240,00 €
  • 241 – 480 Texte :480,00 €
  • > 480 Texte: 960,00 €

Wie du siehst, lohnt es sich, die Zählpixel einzubauen.

Wie baut man die Zählpixel ein?

Die Zählpixel kannst du über deinen Account bei der VG Wort bestellen. Pro Bestellvorgang kannst du maximal 100 Zählmarken herunterladen. Die Marken an sich bestehen aus einem privaten Identifikationscode und einem HTML-Code-Schnipsel. Du kannst sie entweder direkt in deinem Account verwalten oder als Excel-Datei herunterladen. Den Code-Schnipsel baust du in den Quelltext deines Artikels ein. Ich würde ihn stets in den ersten Absatz einbauen, damit er beim Aufrufen der Seite auch geladen wird. Für WordPress gibt es mittlerweile aber auch Plugins wie Prosodia oder Worthy, die das Einbauen und Verwalten der Marken erleichtern. Mittlerweile erscheinen die eingebauten Zählmarken automatisch in deinem Account, sodass du nicht mehr jede einzelne Zählmarke heraussuchen und melden musst. Das erspart eine Menge Arbeit.

Fazit: Sollte ich mich bei der VG Wort anmelden?

Grundsätzlich kann ich jedem Autor und Journalisten nur raten, sich bei der VG Wort anzumelden. Egal, ob du Bücher schreibst, Artikel in einer Zeitung veröffentlichst oder Blogger bist, durch die VG Wort kannst du dir einen netten Nebenverdienst sichern. Ich persönlich habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Die Auszahlung hat stets ohne Probleme funktioniert, der Kontakt zu den Mitarbeitern war immer freundlich und schnell.

Falls du noch unsicher wegen der Rechteübertragung bist, kannst du dir zunächst dieses Muster für den Wahrnehmungsvertrag durchlesen. Falls du einige Rechte nicht übertragen willst, kannst du dies im Vertrag regeln. Solltest du nach dem Abschluss merken, dass du dich mit der Mitgliedschaft bei der VG Wort nicht wohlfühlst, kannst du mit einer Frist von 6 Monaten zum Ende eines Kalenderjahres kündigen.

Tipp: Falls du noch weitere Einnahmequellen für Autoren im Internet entdecken willst, lies dir auch diesen Beitrag von mir durch.


 

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Von Lukas Böhl

Hallo, mein Name ist Lukas. Ich bin der Autor hinter dem Sinnblock. Falls du mehr über mich erfahren willst, schau mal hier vorbei. Dir gefällt, was du liest und du willst meine Arbeit unterstützen? Dann kannst du gerne mein Buch kaufen :)