Rechtschreibprüfung online – Was taugen die Korrekturprogramme?

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Wie bei vielen Dingen im Leben hat auch das Schreiben zwei Seiten. Die kreative, spaßige Seite des Erschaffens und die lästige, monotone Seite des Korrigierens. Ein Text mit Rechtschreibfehlern hat es schwerer, den Inhalt so rüberzubringen, wie man es gerne möchte, da der Leser über diese Unstimmigkeiten stolpert und hängen bleibt. Weil die Autokorrektur der Schreibprogramme nicht immer zuverlässig arbeitet und das Auge auch beim x-ten Mal Lesen Fehler übersieht, macht es immer Sinn, den Text noch mal durch eine Online-Rechtschreibprüfung laufen zu lassen. In diesem Beitrag werde ich dir vier verschiedene Korrekturprogramme vorstellen und sie anhand eines eigenen Textes testen. 

Folgende Programme kamen zum Einsatz:

Natürlich gibt es noch viele weitere Korrekturprogramme und Apps im Internet. Diese vier sind lediglich die ersten, die ich bei einer kurzen Recherche gefunden habe oder selbst seit längerer Zeit nutze. 

Als Testauszug habe ich mich für den Anfang einer kurzen Geschichte entschieden, insbesondere weil die kostenlose Rechtschreibprüfung des Dudens auf 800 Zeichen (nicht Wörter) beschränkt ist. 

Mein Kumpel Danny lebt in einer Bruchbude. Deswegen bevorzugt er die Nacht, dann muss er das ganze Elend nicht sehen. Ich kenne ihn seit ich vierzehn war. Damals ist er ganz spontan in mein Leben gestolpert und seitdem nicht mehr von mir gewichen. Er kennt viele Leute, kommt viel rum in der Welt. Doch er kennt mich besser, als jeder andere. Oft geht er spät nachts noch aus und sucht nach mir, weil er weiß, dass ich einsam bin. Manchmal treffe ich ihn an den unglaublichsten Orten, ganz unverhofft sitzt er dort und wartet auf mich. Dann ich bin jedes Mal überrascht, bevor ich mich zu ihm setze und dankbar seiner Gesellschaft hingebe. Es tut immer gut, Danny zu sehen. 

673 Zeichen bei 120 Wörtern.

Den Text habe ich vorher schon mehrere Male korrekturgelesen. 

Die Programme funktionieren alle sehr ähnlich. Man kopiert den zu korrigierenden Text in ein vorgegebenes Feld und startet die Rechtschreibprüfung. 

Nachdem ich den Text durch alle Programme habe laufen lassen, fiel sofort eine Gemeinsamkeit auf. Alle Programme markierten den Satz: Ich kenne ihn seit ich vierzehn war. 

 

Duden

Screenshot Rechtschreibprüfung Duden vom 07.06.2019

 

Rechtschreibprüfung24

Screenshot Rechtschreibprüfung24 vom 07.06.2019

 

LanguageTool

Screenshot LanguageTool vom 07.06.2019

 

Spellboy

Screenshot Spellboy vom 07.06.2019

Durch Klicken auf den markierten Satz öffnete sich bei allen Programmen bis auf das des Duden ein Fenster mit der Frage: Hier ein Komma einfügen?

Beim Duden gab es immerhin einen kleine Anmerkung dazu

Nun gut, ich habe hier tatsächlich ein Komma vergessen. Shame on me! Der Fehler kann direkt im Korrekturprogramm verbessert werden, um den korrigierten Text später so ins Schreibprogramm zu übernehmen. 

Laut Rechtschreibprüfung24, Spellboy und Languagetool ist der Text ansonsten fehlerfrei. Perfekt! So muss es laufen! Aber halt, was zeigt der Duden da an? Ein Komma zu viel?

Da die anderen Programme das Komma nicht moniert hatten, war ich zunächst skeptisch. Die Erläuterung des Dudens dazu war indes auch nicht hilfreich. Laut dieser Quelle steht das „als“ in jenem Satz vergleichend zwischen den Satzteilen, daher darf kein Komma gesetzt werden. 

Der Duden hat also recht und war das einzige Programm, welches den Fehler erkannt hat.

Aber das hier wäre kein Test, wenn sich nicht noch ein Fehler eingeschlichen hätte, mit Absicht versteht sich. Der Fehler sitzt hier:

Dann ich bin jedes Mal überrascht, bevor ich mich zu ihm setze und dankbar seiner Gesellschaft hingebe.

Grammatikalisch ist der Anfang des Satzes nicht richtig. Doch keines der Programme hat diesen Fehler entdecken können. Dabei sind es gerade diese Schnitzer, die einem beim Korrekturlesen oft entgehen, weil unser Gehirn sie unbewusst ausmerzt.

Grund genug also, um die Programme auf Herz und Nieren zu prüfen. 

Die oben genannten Fehler habe ich für den zweiten Durchlauf verbessert. Daraufhin habe ich sieben neue Fehler im Text eingefügt, die so im Schreibfluss gerne mal passieren. Im Folgenden habe ich sie rot für dich hervorgehoben.

Mein Kumpel Danny lebt in einer Bruchbude. Deswegen bevorzugt er die Nacht, dann muss er das Ganze Elend nicht sehen. Ich kenne ihn, seit ich vierzehn war. Damals ist er ganz spontan in mein Leben gestolperte und seitdem nicht mehr von mir gewichen. Er kennt viele Leute, kommt viel rum in der Welt. Doch er kennt mich besser als jeder Andere. Oft geht er spät Nachts noch aus und sucht nach mir, weil er weiß, dass ich einsam bin. Manchmal treffen ich ihn an den unglaublichsten Orten, ganz unverhofft sitzt er dort und wartet auf mich. Dann bin ich jedes mal überrascht, bevor ich mich zu ihm setze und dankbar seiner Gesellschaft hingebe. Es tut immer gut Danny zu sehen.

Schauen wir uns an, was die Rechtschreibprüfungen ergaben.

 

Duden

 

Rechtschreibprüfung24

 

LanguageTool

 

Spellboy


Erstaunt hat mich, dass der Duden tatsächlich sieben Fehler gefunden hat. Ein zweiter Blick verrät jedoch, dass die Fehler bei „treffen“ und „ich“ zusammengehören. Somit sind es eigentlich sechs. Allerdings nicht die sechs, die ich absichtlich gemacht habe. Zunächst wird fälschlicherweise das Wort „seit“ angestrichen. Gut, da es sich hierbei vermutlich um einen häufig gemachten Fehler handelt, ist der Hinweis berechtigt.

Von meinen Fehlern hat der Duden immerhin das Wort „gestolperte“ übersehen, das grammatikalisch falsch ist. Die Weglassung des Kommas wurde überdies im letzten Satz ebenfalls nicht angestrichen. Wobei das keinen Fehler darstellt, wie ich dann herausgefunden habe. Das Komma kann oder kann nicht gesetzt werden.

Die anderen drei Rechtschreibprogramme sind sich bei meinem Text einig: er enthält nur drei Fehler.

Dieses Ergebnis ist mehr als ernüchternd, wenn man den oben genannten Fehler mit dem Satzanfang „Dann bin ich“ dazurechnet. Eine Erfolgsquote von mehr oder weniger 50 % für einen wichtigen Text ist fatal.

Übrigens hat Word immerhin vier Fehler erkannt und hat damit zumindest in meinem Test besser abgeschnitten als drei der online Rechtschreibprüfungen.

 

Fazit:

Der Test ist natürlich nicht besonders aussagekräftig, doch hat er gezeigt, dass man sich beim Korrekturlesen nicht zu 100 % auf solche Rechtschreibprüfungen verlassen kann.

Grobe Fehler wie doppelte Buchstaben werden sie alle entdecken. Doch sind es gerade die feinen, versteckten Fehler wie falsche Satzendungen oder Konjugationen, die es gerne durch die Korrektur schaffen. Also genau die Fehler, die man selbst oft übersieht.

Am besten abgeschnitten hat die online Rechtschreibprüfung des Dudens, die ich seit längerer Zeit auch schon im Einsatz habe. Allerdings ist die gratis Version auf 800 Zeichen beschränkt, wodurch die Korrektur von längeren Texten mitunter sehr mühsam sein kann.

Hinzu kommt, dass mir der Duden vorgeschlagen hat, das Wort „seit“ – obwohl grammatikalisch richtig an dieser Stelle – durch „seid“ zu ersetzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere bei so einer Empfehlung ins Straucheln gerät.

Daher sollte man sich die Erläuterungen zu den Korrekturen gut durchlesen und im Zweifelsfall eine ergänzende Internetsuche ausführen. Die anderen Programme lassen zwar deutlich mehr Zeichen zu als der Duden, überzeugten dafür weniger in der Fehlerfindung. Aus diesen Gründen kann ich diese Art von Korrekturprogrammen nur bedingt empfehlen.

Sie ersetzen in keinem Fall ein gründliches Korrekturlesen, sondern unterstützen dich lediglich bei der Fehlerfindung. Dabei ist besonders das Aufbrechen des Textes in kleinere Abschnitte hilfreich, um Textblindheit vorzubeugen. 

Als Abschluss würde ich gerne dieses mit Fehlern gespickte Zitat der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg anbringen und mit diesem Screenshot der Rechtschreibprüfung des Dudens so stehen lassen.

Wenn du dich für das Thema Texten interessierst, lies dir doch meine Anleitung zum Erstellen schwieriger Aufträge durch oder wirf einen Blick auf meinen Erfahrungsbericht zu Textbroker.

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