Dichtwoch #6 – Tankstellen

Frieren an Tankstellen, halb erfrorene Hände tauen am halb gerauchten Glimmstängel auf. Auf der Motorhaube ausgebreitete Straßenkarten versetzen uns zurück in die 70er Jahre. Eiskratzen, um das Ziel nicht zu verlieren, Gas geben, um die Heimat nicht zu vermissen. Davonlaufen im großen Jugendstil. Davonlaufen als Volkssportart einer Generation. Essenzielle Gespräche über Essensreste anderer Gäste im Irish Pub in der Kopfsteinpflastergassse. Das letzte Ersparte reicht gerade für einen Löffel Suppe. Einmal schlafen und dann wieder die Straße. So lange der Asphalt unter uns bleibt, stimmt die Richtung. Nur billige Hotels bieten noch Obdach nachts um halb eins. Billige Kopien teurer Gemälde erzählen von der Schönheit des Lebens der Anderen. Eine Familie am Mittelmeer, von Möwen umgeben, dem Alltag entrissen scheinen auch sie nicht glücklich. Schmutzige Bodendielen, abblätternder Lack und staubige Lampen halten dagegen, berichten vom wahren Elend. 

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Von Lukas Böhl

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