Das einzige Leben, das wir haben

„Vor einer Woche hätte der Regen Schnee sein können“, sagt er und stellt sein Bier ab. Hier in diesem Dorf, in das Gott nicht zurückkehrt. Was bleibt schon? Jetzt muss jeder an sich selbst glauben. Und weil das niemand kann, hängt man sich an die Verheißungen, die einem das Smartphone bietet. Siehst du, wie er sein Bier trinkt? Da fließt der ganze Schmerz der Welt in seine Kehle hinunter. Doch sein Magen kann ihn nicht zersetzen. Er geht ins Blut über und befällt seinen ganzen Körper."

Was macht das schon? In dieser Zeit ist man schneller in den USA als drüben beim Nachbarn. Da wollte man sowieso immer hin. Die Filme, das Essen, die Versprechen locken seit der Kindheit. Wie oft noch? Versprechen, die nicht gehalten werden, brechen das Ego. Also bleibt man sitzen und wird zu Nichtsen. Auch wenn es da draußen jemand gibt, für den man das einzige Alles ist.

Traurig? Meist nur nachts, wenn es sonst nichts gibt, das den Kopf beschäftigt. Und dann kommen die Träume, die einem zeigen, was nicht werden will und was sein könnte, aber nicht ist und was sowieso nie war. Sein Bier steht noch auf dem Nachttisch. Den ersten Schluck braucht er zum Wachwerden, den zweiten, um hochzukommen und den dritten, um noch einen Tag zu funktionieren. Der vierte, fünfte, sechste und alle darüber hinaus? Wer weiß, wozu sie gut sind?

Wenigstens ist sein Laster bodenständig. Die Leute zeigen auf ihn. Dort wird ihr Kampf sichtbar. Alle kämpfen. Nur nicht auf dieselbe Weise. Doch wenn man dem Gegner die Maske runterreißt, blickt man stets in dieselbe Fratze. Früher nannte man ihn Teufel. Heute ist er mitsamt Gott verschwunden. Jetzt hat er keinen Namen mehr. Und weil man ihn nicht benennen kann, ist ER unbezwingbar. Am Ende nun sitzt er in der Bar. Er schaut auf sein Bier und sagt zu sich selbst: „Das ist mein Leben. Es ist das einzige, das ich habe.“


 

Dir gefällt, was du liest?

 

Dann empfehle ich dir auch mein Buch!

 

Ab 1,99 € auf Amazon bestellen!

 

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Geschriebenes

Von Lukas Böhl

Hallo, mein Name ist Lukas. Ich bin der Autor hinter dem Sinnblock. Falls du mehr über mich erfahren willst, schau mal hier vorbei. Dir gefällt, was du liest und du willst meine Arbeit unterstützen? Dann kannst du gerne mein Buch kaufen :)