Blog

Dichtwoch #34 – Regen

D

Der Tag begann mit Regen. Die Sonne stieg hinterm blassen Grau der Wolken empor. Von meinem Balkon konnte ich alles sehen. Irgendwo in der Wohnung gegenüber klirrte das Frühstücksbesteck kurz vor halb sechs. Die Wanduhr tickte synchron mit den Kirchenglocken und die Stadt verschwand für einen Augenblick hinter ihrem Klang. Nicht länger wollte ich Zuschauer sein. Ich nahm meinen Schirm und trat...

Dichtwoch #33 – Zufriedenheit

D

Willkommen zur großen heiteren Party. Willkommen in meinem Innersten. Nach 25 Jahren wünsche ich mir alles von einem Kind bis zum Suizid und dass nichts davon je in Erfüllung geht. Ich will Freiheit, teuer erkauft durch mein Angestelltengehalt. Ich will einen zweiten Körper für die Last meiner Gedanken und dann einen Kopf, in dem sie wahrhaftig frei sind. Veränderung passiert ab hier in jedem...

Dichtwoch #32 – Sadness

D

I’ve been driving through sadness. Bad weather in my head. It’s been a punch-in-the-face-day. I was somehow happy, then life got in the way. Took another one in the gut for thinking of someone as a fag. Hated myself, went to church for it. Met god in a cafe, did small talk as if with an old friend. It takes time to become old friends and passion to become anything. Last Christmas I...

Steine im Wasser

S

Als Kind warf ich einen Stein ins Wasser, um zu sehen, wie die Wellen riffeln. Die Erregung gefiel mir und bald kam ich wieder. Mit der Zeit wurde ich älter und stärker, die Steine wurden größer. Noch erholte sich das Wasser nach einem Wurf. Es muss mit 16 gewesen sein, als ich realisierte, wie aufregend die ständige Unruhe war. Immer mehr Steine schleppte ich ans Ufer, warf sie hinein und ließ...

Dichtwoch #31 – Ruby

D

Tell ruby she’s a diamond. The one in a million. All compliments meant. Her eyes stared right into my heart. Tell ruby she’s unconventionally beautiful. Give her my regards. Maybe one day I’ll make it to Romania when I’m not so maniacally romantic. My love, my drug. Ruby in my veins, ruby in my lungs. And I never even knew her real name. So she stays like a rare stone...

Dichtwoch #30 – Weltschmerz

D

Es ist das Glutamat im chinesischen Essen, für acht Euro die ganze Mahlzeit. Es sind die Erinnerungen an damals, markiert in Neongelb, ausgeleuchtet vom Alkohol. Es ist die alte Zeit, gefiltert durch eines Freundes Erzählung. Es ist das Nichtsahnen des Heranwachsens. Es ist der Job. Es ist nichts Bestimmtes und alles was du mir jemals über meine soziale Inkompetenz vorhieltest. Es sind die Spuren...

Dichtwoch #29 – Vice

D

She said: got fire? I said: you shouldn’t waste your beauty on a smoke. But you? It’s the only pleasure I have! Besides drinking? Besides having no other. I shorten my life one vice at a time. That’s just coke. She said: You’re a cynic. Me: you’re cynical. I’m not. And I’m just being honest. Pass me that lighter. No, the world is full of ugly things...

Dichtwoch #28 – Fiktion

D

Die Dinge, die am besten ungesagt bleiben, fließen davon wie Melodien am Ende eines traurigen Films. Und wir sitzen noch eine Weile davor und hören zu und wünschen da wären nur die Enden. Dann träumen wir uns davon, wollen leben wie der Protagonist am Rande der Gesellschaft, vielleicht nur am Ende der Welt oder einer kleinen Rille in der Unterseite der DVD. Liegen nächtelang wach und starren...

Dichtwoch #27 – Heimkommen

D

Der Mond zappelt im Wolkennetz.Noch nicht abgeklungene Befremdung.Die Straßenlaternen bilden einen Tunnel,der die Dunkelheit abschottet.Wortköder, Anekdoten, werfen aus und hoffen auf Tiefsinn.Die Fremde rückt in die Ferne, lange nach Mitternacht.Wo sind die Stunden hin und wo die Jahre?Ein Gespräch zwischen alten Freunden, wie das Heimkommen aus exotischen Ländern.Wild und rau ist die See des...

Dichtwoch #26 – Mond

D

Der Mond, der endlose Mond, warf einen Stern aus, für die Menschen danach zu greifen. Noch war etwas übrig vom Sommerende, noch war Zeit, etwas zu verändern, bevor die Herbstwinde kamen. Der Mond, der endlose Mond, in jener Nacht schien er fast rot. Nie sah ich ihn so wie damals, eingeklemmt zwischen zwei Heuballen, zwei Meter über dem Boden. Fast wagte ich den Sprung, als er näherkam. Weg mit...

Aktuelle Beiträge