30 Tage kalt duschen: Erfahrungsbericht

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Heute ist der 30. Tag meines Selbstexperiments. Im letzten Monat habe ich komplett auf warmes Wasser beim Duschen verzichtet. Hier ist mein subjektiver Erfahrungsbericht.

Bestimmt hast du schon von all den positiven Auswirkungen gehört, die kaltes Duschen auf unseren Körper haben soll:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Erhöhung der Testosteronwerte
  • Schnellere Regenerationsfähigkeit usw.

Auf die wissenschaftlichen Thesen kann ich in diesem Beitrag jedoch nicht eingehen, da ich mein Experiment nicht ärztlich habe begleiten lassen. Stattdessen lege ich dir das Video zum Selbstexperiment von dem YouTuber tomatolix und diesen Artikel aus dem Standard ans Herz. Darin erfährst du mehr zu den gesundheitlichen Vorteilen (aber auch Risiken) kalter Duschen und den biologischen Abläufen dahinter."

Ich aber möchte dir eine subjektive Einschätzung geben, was das kalte Wasser mit meinem Geist und Körper gemacht hat. Übrigens war ich kein Wechselduscher, ich habe von Anfang an den Wasserhahn auf die kälteste Stufe gedreht und dann durchgezogen. An dieser Stelle muss ich daher erwähnen, dass ich körperlich gesund bin. Solltest du unter gewissen Vorerkrankungen leiden, kann kaltes Duschen durchaus gefährlich sein. Falls du also ein ähnliches Experiment planst, spricht bitte zuvor mit deinem Arzt darüber. Jetzt aber zu meinem Erfahrungsbericht.

Hier sind 3 positive Eigenschaften, die ich an mir beobachtet habe.

1. Ich besiege meinen Schweinehund leichter

Ich habe zwar von Natur aus schon die Eigenschaft, mich selbst recht gut disziplinieren zu können, doch in dieser Hinsicht haben sich die kalten Duschen deutlich bemerkbar gemacht. Während ich vor dem Experiment den Wecker oftmals umgedreht habe, um morgens noch etwas länger im Bett bleiben zu können oder ihn gar am Abend auf eine halbe Stunde später eingestellt habe, stehe ich jetzt ohne Probleme um 5:30 Uhr auf. Ohne Wenn und Aber. Dadurch komme ich früher auf die Straße, entgehe dem schlimmsten Berufsverkehr und habe so insgesamt mehr Zeit jeden Tag. Ich führe das auf die Überwindung zurück, die es mich kostet, meinen Körper täglich mit kaltem Wasser abzubrausen. Was mir am Anfang noch sehr schwerfiel, erfordert jetzt keine inneren Diskussionen mehr. Das überträgt sich meiner Meinung nach auch auf den morgendlichen Kampf mit dem Wecker (und andere Bereiche meines Lebens). Keine Widerrede, es wird einfach aufgestanden. Insofern hat sich das anfängliche Leiden aufgrund des Kälteschocks also gelohnt.

2. Meine Laune hat sich gebessert

Auch dies ist eine recht subjektive Beobachtung, doch ich bin mir sicher, dass sich meine Laune insgesamt durch das kalte Duschen verbessert hat. Nicht nur, dass ich durch den Kältereiz am Morgen frischer in den Tag starte, das positive Gefühl hält sogar an. Es kommt mir so vor, als würde ich weniger grübeln und Dinge leichter angehen. Zudem ist meine Einstellung gegenüber meinem Alltag optimistischer geworden. Das soll nicht heißen, dass ich davor ein totaler Pessimist war, aber ich bemerke eine gesteigerte Lebhaftigkeit an mir. Es ist ein bisschen so, als würde das kalte Wasser den Dunst meiner Gedanken auflösen und mich klarer sehen lassen. Vielleicht hängt das aber auch mit dem Selbstvertrauen zusammen, das man mit der Zeit aufbaut. Schließlich kostet es Widerstandskraft, sich selbst bei frischen Morgentemperaturen unters kalte Wasser zu stellen. Dadurch baut man Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten auf und geht gestärkter durch den Alltag.

3. Meine Widerstandskraft hat sich verbessert

Wenn es darum geht, positive, zeitintensive Rituale in den Alltag einzuführen, hindern einen oft die kurzweiligen Ablenkungen wie das Smartphone oder der PC. Jeder von uns weiß, dass es nicht gerade förderlich für die Schlafhygiene ist, wenn wir abends in einen grellen Bildschirm starren, sei es das Smartphone oder der Fernseher. Und trotzdem lassen wir uns die meisten Abende dazu hinreißen, auf die Couch zu fläzen, um dann irgendwann von dort direkt ins Bett zu kriechen. So kann unser Verstand gar nicht abschalten. Ich hatte mir schon lange vorgenommen, vor dem Zubettgehen eine Weile zu meditieren. Nicht nur, weil ich so meine Gedanken ordnen wollte, sondern auch, um meinen Augen die verdiente Pause vom Bildschirm zu geben, in den ich aufgrund meiner Arbeit die meiste Zeit des Tages hineinstarre. Jedenfalls klappte das mehr schlecht als recht. Doch als ich anfing, kalt zu duschen, sagte ich mir irgendwann: „Scheiß drauf, ich mach’s jetzt einfach!“ Und seitdem meditiere ich jeden Abend vor dem Schlafengehen zwischen 10 und 30 Minuten. Durch diese kleine Veränderung kann ich nicht nur besser einschlafen, sondern ich wache in der Nacht auch nicht mehr auf. Mehr Schlaf bedeutet mehr Leistung bei der Arbeit, beim Sport und beim Schreiben. Was will man mehr?

Bonus: Man spart Wasser und Energie

Ein netter Nebeneffekt des kalten Duschens ist die Tatsache, dass man es schnell hinter sich bringt. Das Duschen wird eine rein zweckmäßige Sache, die allein der Säuberung des Körpers dient. Nichts mit Entspannung und gutem Gefühl. Dadurch spart man natürlich die Energie für das warme Wasser und verbraucht insgesamt weniger, weil die Dauer der Duschen sich verkürzt. Am Ende des Tages sparst du also bares Geld.

Wird es mit der Zeit leichter, kalt zu duschen?

Nein, auf keinen Fall. Die gefühlte Wassertemperatur wird mit der Zeit nicht erträglicher, die kalten Duschen bleiben so unangenehm wie am ersten Tag. Besonders schlimm ist es, wenn morgens die Nachtkälte die Wohnung durchzogen hat und man sich nichts mehr wünscht als eine warme Dusche. Was aber leichter wird, ist der Sprung unters kalte Wasser. Während man am Anfang noch mit sich diskutiert und versucht, Ausreden zu finden, warum es gerade heute nicht passt, lassen die Selbstbetrugsversuche mit der Zeit nach. Man findet sich damit ab, dass es unangenehm ist. Das ist der Preis, den man für die positiven Resultate bezahlt. Da gibt es keine Kompromisse. Die Widerstandskraft nimmt zu, der Schweinehund jault nur noch ganz leise aus seiner Ecke irgendwo im Unterbewusstsein.

Wie wirkt sich kaltes Duschen auf den Sport aus?

Einen direkten Zusammenhang konnte ich nicht feststellen, beim Training bemerkte ich keine signifikanten Unterschiede. Klar, der verbesserte Schlaf blieb nicht ohne Folgen, doch dieser resultierte ja in erster Linie aus der verbesserten Schlafhygiene durch das Meditieren. Insofern kann ich diesen Effekt nicht auf das Konto der kalten Duschen verbuchen. Ob sich meine Testosteronwerte verbessert haben, kann ich wie gesagt nicht nachweisen. Was mir aber aufgefallen ist: Nach dem Duschen traten die Muskeln deutlicher zutage, weil die Haut gestraffter wirkte. Die Wirkung war natürlich nur von kurzer Dauer, aber ich dachte, ich erwähne sie dennoch an dieser Stelle. Wenn du mehr über Kälte und Regeneration erfahren willst, empfehle ich dir diesen Beitrag von Gannikus.

Werde ich die kalten Duschen fortführen?

Definitiv, ja. Jetzt aufzuhören wäre dumm. Ich denke, der Körper gewöhnt sich recht schnell wieder an die warmen Duschen. Ehe man es sich versieht, ist man zurück in seiner Komfortzone und igelt sich in seiner kleinen, gemütlichen Welt ein. Ich denke, ich habe das Potenzial, das die kalten Duschen für die körperliche und mentale Gesundheit innehalten, noch nicht ganz ausgeschöpft. Darüber hinaus will ich die positiven Errungenschaften beibehalten. Also werde ich weiterhin kalt duschen.

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