Gedichte

A little something…

MONEY DRAINS MINDS

HATE DRAINS HEARTS

RELIGION DRAINS SOULS

KNOWLEDGE DRAINS ALL"


Tagediebe

Damals zu dieser Zeit waren wir Tagediebe. Damals zu dieser Zeit war alles Liebe. Als jedes Blatt, das im Herbst vom Baum fiel, die Geheimnisse des Universums verriet. Jeder Tag ein neues Erlebnis bereithielt und keine Erinnerung wachrief. Wir waren wie Papier, das sich selbst beschrieb und kein Algorithmus, den man programmiert. Jetzt ist manches anders, aber nichts mehr dasselbe. Wir laufen dem Geld hinterher und machen keine Erfahrungen mehr. Alles ist Erinnerung, alles ist Droge. Mit digitalem Opium verändern wir unsere Psyche. In stillem Gedenken erinnern wir uns der Tage von damals. Was Jesus prophezeite, ist ein Witz gegen Silicon Valley. Und ob ich schon programmierte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Geld und Macht trösten mich. Damals zu dieser Zeit haben wir morgen unterschätzt. Und sind wir mal ehrlich, wir haben nicht daran gedacht. Die Zukunft ist, wie ein Missgeschick, einfach passiert.


Reisen

Es fühlt sich an, als wäre man niemals da. Immer irgendwo, gemietet, für eine Weile, nie konkret. Ein Passagier in fremden Vehikeln. Hinter Busscheiben, auf den Economy Plätzen, der Zugreisende mit Gesicht ohne Assoziationen. Ständig an Haltestellen, abgestellt in Wartesälen, ein Name, verschwommen in einer Durchsage. Bewegung verhindert Stillstand. Pünktlichkeit hat nichts zu tun mit Verlässlichkeit. Wer loszieht, muss auch mal allein sein. Wann war Zuhause? Gedanken beim in Tunnel fahren. Trübsal, die Schwere des Vorbeiziehens. Wer ewig reist, bleibt immer einsam. Keine Sprache, sich zu verständigen. Nie Verständnis für die Eigenheiten. Eiskalt erwischt beim nach draußen schauen. Es ist Sehnsucht und Angst zu gleichen Teilen. Was du am meisten wünschst, ist dir seit jeher fremd. Ein Gespräch, eine Antwort ins Leere. Wieder du, wieder die Furcht. Liebe ist nicht genug. Wenn du von ihr sprichst, meinst du nur dich. Du bist allein, weil du alle liebst. Bist nicht glücklich, nur ständig zufrieden. Vergibst dir nicht. Wie auch, das ist deine Version der Depression. Und wer will das schon?


Stillleben

Regenbogen im Kopf. Schirm in der Hand. Bunte Tropfen prasseln auf dunklen Stoff. Menschen in Vergessenheit stehen achtlos auf Straßen. Stillleben im wilden Getümmel der Stadt. Du und ich sind verschieden. Ein kurzer Blick. Verhalten aneinander vorbei lächeln. Dann wieder schwarze Kreise, die sich wie von alleine durch die Gassen bewegen. Von oben das Wasser, das unendliche. Unten das Grau, das aufgeschwemmte. Mit einem Schauer ist alles weg. In einer Stunde wieder Morgenblau. Es hat sich eingeregnet. Die letzte Nässe, bevor es auf den Frühling zugeht. Es dampfen die Bäume, es wachsen die Blumen und erblühen die Leute. Alles beginnt von Neuem. Es sterben die Winterdämonen. Es lebe der Frohsinn.


Frühling

Am Ende der Straße hängt eine Wolke und hält die Stellung gegen den Frühling. Doch der Winter zog weit in den Westen und begräbt Kalifornien im Schnee. Alles, was blieb, ist die Kälte der Nacht und ein bisschen Frost auf dem Gras. Nun brennt die Sonne allmählich den Trübsinn aus den Gemütern und holt die Vögel zurück aus dem Süden.


Blond

Am Fenster zieht die Stadt vorbei, laut und selbstvergessen.

Abertausend Passanten folgen dem grauen Asphalt, ohne zu ahnen, welche Anmut sie verpassen.

Dort wächst eine Blume in ihrer Mitte, die reinste Form der Schönheit, über Jahrmillionen verfeinert, scheint sie jetzt vollendet.

Die Perfektion in blond, die Vollkommenheit in der Gestalt dieses Mädchens. 


Bauarbeiten

Am Ende der Straße war seit Jahrzehnten das Dorf zu Ende.

Mitte März verwandelten die Bagger den Acker zu Baugelände.

Bald wird auch der Feldweg ordentlich asphaltiert.

Ein alter Mann beobachtet die Bauarbeiten und zählt die Schritte zurück zur Normalität.

Vor langer Zeit konnte er sich am Kirchturm orientieren. Jetzt sprechen die Amerikaner von Marsmissionen.

Er schaut auf die alte Heimat und stellt fest, er erkennt sie nur noch auf Fotos.

Dann die Einsicht. Niemand stirbt in der Welt, in die er hineingeboren wurde.

Ob gut oder schlecht, bestimmt die Perspektive.


April

Manchmal schneit es im Frühling.

Zwischen Bäumen, die in voller Pracht erblühen

Und Menschen, die sich nach dem Sommer sehnen,

weil Kirschblüten Schneeflocken ähneln.


Honeybee

There’s a hint of you in this early summer wind here in late april. Maybe I’m just synchronizing with the patterns of space and time. Every spring I find the love of my life. It’s in you for sure and it’s packed so well. I don’t dare to use the word beautiful anymore. It might loose its meaning. None the less you are unbelievably unique. At least in this moment in my head. You have sparked something, not a feeling, but deeper. The everlasting search for man’s meaning. You are what every man dreams of. What every boy keeps a secret to his childhood love. What every husband never finds in his wife. Sometimes an idea, sometimes quite real, but always dangerous to adhere to. I might have to lock you away with my other teenage fantasies some day. But until then, I will find you, my flower, each spring like a honeybee.


Nana

When you enter the room, it’s yours. Flashing brown your eyes beam, before I fall into them. And for a moment all I see is endless beauty. Then your lovely voice brings me back to reality and I think you’re everything a woman should be. My glimpse follows your lips forming a smile fit for a kiss. And in only two hours you create a little eternity with nothing but good memories. A little temporary home inside each other’s souls. Yours is a elegancy that nothing can capture. Not a poem, not a picture.


Weltschmerz

Es ist das Glutamat im chinesischen Essen, für acht Euro die ganze Mahlzeit. Es sind die Erinnerungen an damals, markiert in Neongelb, ausgeleuchtet vom Alkohol. Es ist die alte Zeit, gefiltert durch eines Freundes Erzählung. Es ist das Nichtsahnen des Heranwachsens. Es ist der Job. Es ist nichts Bestimmtes und alles was du mir jemals über meine soziale Inkompetenz vorhieltest. Es sind die Spuren eines Katers im Schnee, die mich zum Nachdenken anregen. Es ist der Vogel, den er vielleicht getötet hat. Es ist, weil die Schneeflocken keinem Muster folgen. Es ist, dass ich gerne mehr Zeit hätte, um über Schneeflocken nachzudenken und den Bäumen zuzusehen. Es ist, weil ich mir dein Bild im Internet ansehe, weswegen ich nicht mehr schlafe. Es ist, weil ich mir auch im Schlaf dein Gesicht vorstelle. Es ist gar nichts davon. Es sind nicht die Depressionen, die ein mittelmäßiger Psychologe diagnostizieren wollte. Es sind auch nicht die Medikamente, die ich nicht nehme oder die Bücher, die ich lese oder die Texte, die ich jetzt schreibe. Es hat mehr was von Weltfremdeln. Es hat auch was von der Frage, warum. Es ist schwer zu erklären. Es ist womöglich…Weltschmerz.


Ruby

Tell ruby she’s a diamond. The one in a million. All compliments meant. Her eyes stared right into my heart. Tell ruby she’s unconventionally beautiful. Give her my regards. Maybe one day I’ll make it to Romania when I’m not so maniacally romantic. My love, my drug. Ruby in my veins, ruby in my lungs. And I never even knew her real name. So she stays like a rare stone hidden under a layer of dirt; dug up by evil men. Tell her I set my mind free, the tattoos inspired me. Tell her the hand will be okay. It just needs time. And that she deserves nothing less than perfect. And that I loved her nothing less worth a lifetime.


Sadness

I’ve been driving through sadness. Bad weather in my head. It’s been a punch-in-the-face-day. I was somehow happy, then life got in the way. Took another one in the gut for thinking of someone as a fag. Hated myself, went to church for it. Met god in a cafe, did small talk as if with an old friend. It takes time to become old friends and passion to become anything. Last Christmas I wished for the Chinese to make me new shoes. They came from India. Happiness comes from India. My friends call it yoga. I’m the last leave to fall in autumn, the first to be eaten by worms. I’m the digested inner world of a featureless creature. There on the pavement I asked myself what’s the difference between me. Of course I got no answer, I’ve never been a reliable person. There was a time when a tragic was comical, now it just feels real. I took a photo, it showed my face and made me forget my loneliness. I never felt like the person in the photograph. If I’d color my life, I’d draw a red line and cross it out somewhere near the end. A future is growing up without a yesterday inside of me. I’m doing okay, I swear. It just been a punch-in-the-face-week in an overall okay year.


Wecker

Zeit geht weiter…
Ist es nicht so?
Ich nahm die Batterie
aus meinem Wecker,
auf den ich nächtelang
schlaflos blickte.
Die Zeiger sollten nicht
ohne dich weiterlaufen.
Du warst Liebe in der
ersten Stunde.
An einem Sonnentag
im sonst dunklen Winter.
Hast mehr Stunden
in meinem Bett,
in meinem Kopf
verbracht,
als jede flüchtige
Bekanntschaft vor dir.
Es war fast so,
als hätte ich in den
letzten fünf Jahren
jedes Mädchen,
das ich länger
als fünf Tage
hätte lieben können
unter den falschen
Umständen kennengelernt.
Also bleibst du eine
Erinnerung,
die mich nicht weiterbringt
und nicht zurück.
Vom Glück sowieso
weit entfernt.
Mit der ich mich
irgendwann brüste,
sie nicht länger
als fünf Stunden
gekannt zu haben.


Lebenskummer

Ein Blick aus dem Fenster
des Jugendzimmers
auf den grauen Himmel.
Im Hintergrund ein Lied,
lange nicht gehört.
Bekanntes Gefühl.
Andere Lebenslage.
„All deine guten Tage!“,
verklungene Worte.
Trauer im Nachhinein ein Freund.
Unheimliche Stille.
Wie ist sein Name?
Lebenskummer!


Erblühen

Im Tal noch Winter, am Himmel der Sommer. In weißen Schwaden schmilzt das Eis und wird zu Wasser. Die Sonne scheint ohne Gnade, vertreibt die letzte Kälte. In den Vögeln der Frühling, in den Winden der Herbst. In den Herzen wieder Liebe, in den Gesprächen wieder Leben. Es fliegen die ersten Schnaken, es fliegen die ersten Pollen. Es riecht nach Blumenstaub, überschüssiger Kälte und Sex. In der Erde keimt die Freude, in den Menschen kochen die Gefühle. Paare knien auf Wiesen, sammeln die ersten Blumen. Man verliebt sich wieder in Augen und Kleinigkeiten. Es ist ein Sterben und Existieren, ein Leben und Scheitern, ein Welken, ein Blühen.


Mannwerdung

Ich rasiere die Schönheit aus meinem Gesicht, den Jungen aus dem Mann. Und weil es nichts Inspirierendes hat, kippe ich den Barthaaren Champagner hinterher. Es folgt der einsamste Blick, sich immer wieder zu versichern, dass man noch dieselbe Person ist. Mit zwei eisgrünen Augen starre ich den Mann an, der mein kindliches Ich vertrieben hat und frage mich, was er dort macht. Ist er doch nicht mehr als ein Platzhalter ungewissen Alters, der ein Leben lang nur Plätze tauscht. Mit Babys, die ein Baby sehen und Jungen, die sich hässlich finden und Teenagern, die Pickel vertuschen und Männern, die ihren Augen nicht trauen und Familienvätern wieder mit Babys und alten Männern, die einen Fremden erkennen. Und wenn ich eines Tages aufblicke, wird dort Leere sein. Aber bis dahin lächelt mich das Baby an, sagt der Junge, es wird schon, spricht der Teenager von Unsicherheit, die ihm der Vater verzeiht und der Mann im Nachhinein bereut und der Alte glaubt sowieso, der Fremde frage nach der Zeit.


Flussgeist

Einer, der wie ein Fluss sich durch Wüsten und Wälder,
Berge und Täler, Wiesen und Städte schlängelt,
durch alle Schichten der Gesellschaft mäandert,
für jeden, Freund oder fremd, ein gutes Wort findet.

Einer, der ihnen allen eine Heimat gibt.
Der wie der Fluss immer weiterfließt.
Von dem niemand Anfang oder Ende kennt.
Der allen Müll und Schutt mit sich nimmt.

Einer, der in rauen Zeiten zur Ruhe gemahnt.
Für Inspiration und Muße immer ein Garant.
Der zu weiten Ländern eine Verbindung knüpft.
Der Leben nimmt und gleichzeitig alle beschützt.

Einer, der berauschend wirkt, Hoffnung verleiht.
Der auftaucht und verschwindet wie ein Niemand.
Immer da und doch so fern, steht er für Freiheit.
Dessen Liebe unendlich ist, weil er Leben spendet.

Einer, die meiste Zeit ein Einzelgänger,
dessen Sinn sich erst im Moment erfüllt,
da er mit dem Meer, dem Ganzen, Einheit wird.
Dort hört er auf zu sein, ist nicht länger.

Und all das Gute, was er auf seinem Weg tat,
das wird auf einmal, ganz plötzlich, unsichtbar,
und dennoch ist seine Existenz nicht weniger wahr,
als an dem Tag, da er zum ersten Mal die Welt betrat.


Spaziergänger

Er stört die Unbescholtenheit des Schnees nicht mit seinen Schritten. Geht langsam durchs Grau eines wolkenbehangenen Januartages. Der Bergrücken vor ihm neigt sich ihm entgegen. Die Sonne rutscht ein Stück am Himmel gen Westen, um ihn auf dem Hügel zu treffen. Denn sie weiß, er ist einer der Letzten seiner Art. Ein Spaziergänger, der des Gehens wegen geht und nicht, um voranzukommen. Er kennt die Sprache der Vögel und hat ein Ohr für die Klagen des Windes. Ein grauer Mann, der eins wird mit seiner Umgebung. Der nicht fremd ist in der Natur.


Schneemann

Immer wenn es Sommer ist… Nein, es ist Winter. Nur dann blühen Mauerblumen in Mauerritzen auf. Dabei weiß jeder: Winter ist die Zeit zum Traurigsein und ich bin es nicht. Dieses Jahr war ich auf Reisen und nie weiter weg als dort, wo ich stand. Ich entdeckte fremde Länder, alte Kinder, Phasentrinker und einen Verrückten. Sie alle hielten einen Wegweiser zum Jetzt in der Hand und ich verzieh ihnen. Ich wurde Vater, gebar meine Zukunft. Sie lernt gerade das Laufen, irgendwo dort hinten, jenseitig des Unbewussten. Zwischen vielleichtund morgen fand ich einen Sinn. Ich war nicht ich selbst und war alles, was ich sein sollte. Es ist lustig, ist es schon immer gewesen. So lernt man aus Fehlern und schafft Raum für neue. Im Ist besteht kein Platz für Reue. Im Nichts kein Platz für Versäumtes. Es geht mich nichts an. Wessen Sorgen das sind, habe ich längst vergessen. Über Bord, hinweg, dort machen sie sich besser. Aus Schneemännern werden in der Sonne Wassermänner, im Winter ist es umgekehrt. Deswegen ist mir kalt vor lauter Ungewissheit, wie damals im Februar, als man entschied, mir einen Namen zu geben. Und wie damals entschied ich mich fürs Leben.


Warten

Ich habe gewartet. Habe in Wartesälen und auf Taxis gewartet. Darauf, dass sich die Welt verändert und dass mir endlich Sackhaare wachsen. Habe auf das Ende eines langweiligen Gesprächs gewartet, um ein interessantes zu beginnen. Ich habe während des Wartens Leute beim Warten beobachtet und mich selbst beobachtet gefühlt. Ich warte nicht gerne, bin aber meist geduldig. Beim Warten hat man Zeit, sich selbst beim Warten zu analysieren. Meist ist es nichts von Bedeutung, aber manchmal hört man die Muse durchs Universum zu einem sprechen. Dann kommt immer der Arzt. Da ist er schon!


Dreizeiler

Der Nacht
folgt die Dämmerung
Sommerende

_

Winter
der nicht vorbei geht
Eiszeit

_

Du und die Jungs
In den Kneipen
Endlose Stunden

_

Der Kater am Fenster
sieht den Winter
vorbeiziehen

_

Frühling beginnt
Ich?
Fast glücklich

_

Quadrat im Kopf
Eckverbindung
Nichts entkommt

_

Politische Elefanten
zerbrechen ein Deutschland
aus Porzellan


Verschwendetes Selbsst

Verschwendetes Selbst,

an der Bordsteinkante hängt der letzte Rest meines Ichs.

Verstand taugt nichts, Füße wollen nicht mehr.

Magen leer, Gesicht mager, aufgezehrt.

Es ist wenn du alles willst, dass du nichts bekommst.

Menschliches Elend, weltliches Ende.

Nicht besonders, nicht mal anders.

Nur traurig, für manche.

Die Geliebten.

Alles ist Sterben.


Mondeslinien und Du

Lass uns wachbleiben und die Linien des Mondes mit unseren kalten Fingern nachzeichnen. Ich will dir zeigen, welcher Stern mich immer an dich erinnert. Wie du mich ansiehst mit deinen großen Augen! Das weiße Licht komplimentiert deine Silhouette, die selbst in der dunkelsten Nacht alle Perfektion überschattet. Du bist ein menschgewordener Strahl Auroras, leuchtend hell in der Finsternis, ein Juwel. Nicht das intelligenteste Wesen hätte dich ersinnen, nicht der begabteste Maler zeichnen können. Es braucht mehr als sechs Sinne, um deine Schönheit zu erfahren, mehr als ein Herz, um dich zu lieben. Deine Bewegung so graziös wie eine Sternschnuppe am Firmament. Du ziehst Kreise wie ein Kieselstein im Wasser. Du bist die Röte am Morgen des Horizonts, ein Wetterleuchten, ein Hoffnungsschimmer. Sei mein, währe für immer!


Umbruch

Du gehst durch fremde Menschenmassen, wandelst unter herrschaftlichen Gebäuden, streunst doch uringetränkte U-Bahn-Stationen, doch nichts kommt an da oben. Dein Blickfeld reicht weit in den Horizont, deine Perspektive womöglich bis ins Weltall, aber deine Wahrnehmung endet hinter deinen Augen. Kurz tauchst du auf, die Sonne blendet, du ärgerst dich über deine Klamottenwahl. Im nächsten Moment bist du wieder fort, weiter weg, als ein Mensch auf diesem Planeten reisen kann. Du tauchst ab in deine Gedankenkanalisation, wo das Abwasser negativer Emotionen dich mitreißt. Du schlägst um dich, hoffst und betest und fütterst damit nur den Niederschlag in dir. Da ist kein Regenschirm für dein Gehirn. Ein klarer Gedanke könnte dich retten, das weißt du, aber dann käme die Zeit des Umbruchs und der Erneuerung. Vielleicht besser den Teufel, den man kennt, als den Teufel, der alles sein könnte.


Wie Papier

Ich bin ein weißes Stück Papier, das nicht beschrieben werden will. Liege still in der Hoffnung, dass mich keiner sieht. Winde mich, um dem Stift zu entkommen, der mich meiner Ursprünglichkeit beraubt. Solange ich nichts bin, kann ich alles sein. Solange ich nicht weiß, was ich will, kann ich noch alles haben. Aber falte mich nicht in eine Form, davor zerreiße mich in tausend Schnipsel. Besser noch: Lass mich hier liegen und die Eindrücke der Welt in mich aufnehmen, bis sich meine Geschichte von selbst schreibt. Und bilde dir nicht ein, dass du mich kennst. Wenn du mich nicht bei dir willst, so wirf mich in den Wind. Immer hin und her, auf und ab, mal hier, mal dort. Und bevor du auch die andere Seite von mir siehst, bin ich schon wieder fort.


Jeden Morgen

Jeden Morgen, wenn du aufwachst, hoffst du, am Ende des Tages noch du zu sein. Doch in 24 Stunden kann viel passieren. Es ist reiner Zufall, welches Laster heute am schwersten wiegt, welche Verirrung dich aus der Bahn wirft. Du bist nur ein Zuschauer, der sich selbst in einem Film spielen sieht, aber auf die Handlung nicht einwirkt. Du bist ein Spielball deiner Launen. Es geht auf und ab. Egal, wie oft du dich umdrehst, die Angst steht hinter dir und holt beständig zum Schlag aus. Dann gehst du zu Boden und zählst die Sekunden. KO. Es folgt die Entschuldigung ans Publikum, du hast es versucht. Immerhin. Aber du bist kein Kind. Also steh auf, steh deinen Mann, rufen sie. Doch was sie nicht verstehen, ist: Je höher der Baum, desto größer der Schatten.


Rubinrot getönt

Ich habe dich nur einmal getroffen, doch das hat gereicht, um dich für immer zu vermissen. Ich erinnere mich noch genau, wie du die glimmende Zigarette in der Hand gehalten hast, bis deine Finger verbrannten, weil du nicht wolltest, dass ihr Erlöschen das Zeitfenster beendet, das uns das Schicksal zugedacht hatte. Damals auf dem Bett. Und manchmal spüre ich dich nachts unter der Decke neben mir. Dann sind meine Träume rubinrot getönt. Jetzt durchforste ich meinen Kopf nach jedem Wortfetzen, der hängen blieb, obwohl ich schon lange nicht mehr weiß, wie deine Stimme klingt. Was ich von dir habe, reicht nicht, um einen Lebensvorrat an Erinnerungen damit anzulegen. Mit jedem Tag schwindet ein weiterer Teil von dir. Nur dieser eine Satz hat sich mir eingeprägt: Befreie deinen Körper von der Bürde des Verstandes.


 

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