Dichtwoch #7 – Reisen

D

Es fühlt sich an, als wäre man niemals da. Immer irgendwo, gemietet, für eine Weile, nie konkret. Ein Passagier in fremden Vehikeln. Hinter Busscheiben, auf den Economy Plätzen, der Zugreisende mit Gesicht ohne Assoziationen. Ständig an Haltestellen, abgestellt in Wartesälen, ein Name, verschwommen in einer Durchsage. Bewegung verhindert Stillstand. Pünktlichkeit hat nichts zu tun mit Verlässlichkeit. Wer loszieht, muss auch mal allein sein. Wann war Zuhause? Gedanken beim in Tunnel fahren. Trübsal, die Schwere des Vorbeiziehens. Wer ewig reist, bleibt immer einsam. Keine Sprache, sich zu verständigen. Nie Verständnis für die Eigenheiten. Eiskalt erwischt beim nach draußen schauen. Es ist Sehnsucht und Angst zu gleichen Teilen. Was du am meisten wünschst, ist dir seit jeher fremd. Ein Gespräch, eine Antwort ins Leere. Wieder du, wieder die Furcht. Liebe ist nicht genug. Wenn du von ihr sprichst, meinst du nur dich. Du bist allein, weil du alle liebst. Bist nicht glücklich, nur ständig zufrieden. Vergibst dir nicht. Wie auch, das ist deine Version der Depression. Und wer will das schon?

Aktuelle Beiträge