Dichtwoch #51 – Zeitmesser

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Zeit und Zeit und Zeit… gibt es da kein anderes Wort? Eines nicht so abgenutzt und beschmutzt durch unendlichen Gebrauch. Die Zeit, sie rennt nicht mehr, sie hat das Fliegen gelernt und entgleitet mir, wo ich mich leise an sie heranschleiche. Ein Tag, ein Jahr, eine Dekade, da ist doch nichts, was bleibt! Mit Leib und Seele befestige ich mich an weltlichen Dingen, an denen die Zeit schon nagt, bevor sie entstanden sind. Dann gebe ich es auf: Nimm mich, Zeit! Reiße mich in Stücke, in Bruchteile, wie du es mit allem tust, seit der Mensch dich definiert und misst! Weil er immer wissen will, wie spät es an einem Ort auf der Welt ist, den er nie mit eigenen Augen sehen wird. Keiner weiß mehr, wer zuerst kam. Du oder wir? Aber du bist das Monster, das uns in Ketten legt und unsere Lebensrationen mager einteilt. Als wir dich geschaffen haben, gaben wir der Welt ein Ablaufdatum. Alles muss jetzt in dir geschehen und immer pünktlich. Weil du, Zeit, uns nicht lässt, was du bist. 

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