Dichtwoch #50 – Du

Komm, wir lernen fliegen. Ich weiß, uns wachsen Flügel. Lass uns nur daran glauben und Gott austricksen, wenigstens für eine Weile. Wir brauchen nie wieder reden, sei nur bei mir. Nichts ist real, außer dir. Ich mache dich schön und du meine Wirklichkeit. Du liebst mich und ich es, bei dir zu sein. Komm, wir umrunden die Erde. Ganz egal, auch mit meinem alten Dreirad aus Kindertagen. Wen schert schon das Wie. Es ist das Wer, das zählt und für mich bist das du. Wir sind alle irgendwer, aber du bist mehr, weil du Gründe hast und Sinn ergibst und Richtungen weist und manchmal schöne Dinge in hässlichen Worten sagst. Weil du, wenn du daliegst, so an mich geschmiegt, den Mittelpunkt meines Wesens bildest und Bilder in meinem Kopf zeichnest, die mich zu Tränen rühren. Du quillst über vor Seltenheit, in Lebendigkeit verzauberte Schönheit. Du bist Lebensliebe, fängst Träume mit einem Augenzwinkern und erzählst Geschichten mit der Form deines Daumennagels. Sieh, wie du keinen Sinn ergibst, wenn ich von dir schreibe, noch weniger Sinn ergibst du in Gedanken. Dass es dich überhaupt gibt, macht mich zum Zweifler an allem, was existiert. Von mir aus könnte alles nicht existieren, wenn da nur du wärst in deinen braunen Lederschuhen und ausgelachten Augen. 

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Von Lukas Böhl

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