Dichtwoch #45 – Flussgeist

D

Einer, der wie ein Fluss sich durch Wüsten und Wälder, 
Berge und Täler, Wiesen und Städte schlängelt, 
durch alle Schichten der Gesellschaft mäandert, 
für jeden, Freund oder fremd, ein gutes Wort findet.

Einer, der ihnen allen eine Heimat gibt. 
Der wie der Fluss immer weiterfließt. 
Von dem niemand Anfang oder Ende kennt. 
Der allen Müll und Schutt mit sich nimmt.

Einer, der in rauen Zeiten zur Ruhe gemahnt. 
Für Inspiration und Muße immer ein Garant. 
Der zu weiten Ländern eine Verbindung knüpft. 
Der Leben nimmt und gleichzeitig alle beschützt.

Einer, der berauschend wirkt, Hoffnung verleiht. 
Der auftaucht und verschwindet wie ein Niemand. 
Immer da und doch so fern, steht er für Freiheit. 
Dessen Liebe unendlich ist, weil er Leben spendet.

Einer, die meiste Zeit ein Einzelgänger, 
dessen Sinn sich erst im Moment erfüllt, 
da er mit dem Meer, dem Ganzen, Einheit wird. 
Dort hört er auf zu sein, ist nicht länger.

Und all das Gute, was er auf seinem Weg tat, 
das wird auf einmal, ganz plötzlich, unsichtbar, 
und dennoch ist seine Existenz nicht weniger wahr, 
als an dem Tag, da er zum ersten Mal die Welt betrat.

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