Dichtwoch #44 – Mannwerdung

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Ich rasiere die Schönheit aus meinem Gesicht, den Jungen aus dem Mann. Und weil es nichts Inspirierendes hat, kippe ich den Barthaaren Champagner hinterher. Es folgt der einsamste Blick, sich immer wieder zu versichern, dass man noch dieselbe Person ist. Mit zwei eisgrünen Augen starre ich den Mann an, der mein kindliches Ich vertrieben hat und frage mich, was er dort macht. Ist er doch nicht mehr als ein Platzhalter ungewissen Alters, der ein Leben lang nur Plätze tauscht. Mit Babys, die ein Baby sehen und Jungen, die sich hässlich finden und Teenagern, die Pickel vertuschen und Männern, die ihren Augen nicht trauen und Familienvätern wieder mit Babys und alten Männern, die einen Fremden erkennen. Und wenn ich eines Tages aufblicke, wird dort Leere sein. Aber bis dahin lächelt mich das Baby an, sagt der Junge, es wird schon, spricht der Teenager von Unsicherheit, die ihm der Vater verzeiht und der Mann im Nachhinein bereut und der Alte glaubt sowieso, der Fremde frage nach der Zeit.

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