Dichtwoch #30 – Weltschmerz

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Es ist das Glutamat im chinesischen Essen, für acht Euro die ganze Mahlzeit. Es sind die Erinnerungen an damals, markiert in Neongelb, ausgeleuchtet vom Alkohol. Es ist die alte Zeit, gefiltert durch eines Freundes Erzählung. Es ist das Nichtsahnen des Heranwachsens. Es ist der Job. Es ist nichts Bestimmtes und alles was du mir jemals über meine soziale Inkompetenz vorhieltest. Es sind die Spuren eines Katers im Schnee, die mich zum Nachdenken anregen. Es ist der Vogel, den er vielleicht getötet hat. Es ist, weil die Schneeflocken keinem Muster folgen. Es ist, dass ich gerne mehr Zeit hätte, um über Schneeflocken nachzudenken und den Bäumen zuzusehen. Es ist, weil ich mir dein Bild im Internet ansehe, weswegen ich nicht mehr schlafe. Es ist, weil ich mir auch im Schlaf dein Gesicht vorstelle. Es ist gar nichts davon. Es sind nicht die Depressionen, die ein mittelmäßiger Psychologe diagnostizieren wollte. Es sind auch nicht die Medikamente, die ich nicht nehme oder die Bücher, die ich lese oder die Texte, die ich jetzt schreibe. Es hat mehr was von Weltfremdeln. Es hat auch was von der Frage, warum. Es ist schwer zu erklären. Es ist womöglich…Weltschmerz.

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