Dichtwoch #27 – Heimkommen

Der Mond zappelt im Wolkennetz.
Noch nicht abgeklungene Befremdung.
Die Straßenlaternen bilden einen Tunnel,
der die Dunkelheit abschottet.
Wortköder, Anekdoten, werfen aus und hoffen auf Tiefsinn.
Die Fremde rückt in die Ferne, lange nach Mitternacht.
Wo sind die Stunden hin und wo die Jahre?
Ein Gespräch zwischen alten Freunden,
wie das Heimkommen aus exotischen Ländern.
Wild und rau ist die See des Lebens,
klein die Boote, mit denen wir sie befahren.
Mit Treibholz bauen wir sie größer und fester,
nehmen andere mit an Bord.
Teilen die Schläge der Wellen gerecht auf.
Geben einander Orientierung, werden zu Sternen,
zu Daten auf einer Karte, Landmarken am Horizont,
zu denen wir immer wieder zurückkehren.
Nach Tagen, Jahren oder ganzen Leben.
An jenem Abend ruderten wir viel, redeten ohne Worte,
lange und noch länger.
Kindheit nur noch Melancholie,
Freiheit nur noch eine Idee.
Wir sprachen über uns selbst und fühlten uns alt.
Das war der Tag, an dem wir vergaßen,
an dem wir stillschweigend hinnahmen,
dass wir nun Männer waren.

Von Lukas Böhl

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