Dichtwoch #26 – Mond

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Der Mond, der endlose Mond, warf einen Stern aus, für die Menschen danach zu greifen. Noch war etwas übrig vom Sommerende, noch war Zeit, etwas zu verändern, bevor die Herbstwinde kamen. Der Mond, der endlose Mond, in jener Nacht schien er fast rot. Nie sah ich ihn so wie damals, eingeklemmt zwischen zwei Heuballen, zwei Meter über dem Boden. Fast wagte ich den Sprung, als er näherkam. Weg mit dem Mond, wie Peter Pan. Aber ich konnte meine biologische Uhr weiterticken hören, musste zurückbleiben, im Immerland, wo Jungen immer noch zu Männern wurden. Pan lebt, weil ihn der Glaube am Leben erhielt. Und so lange ein Vater seinen Kindern die Geschichte erzählt, muss er nie erwachsen werden. Aber wer erzählt meine Geschichte? Wer glaubt an mich? Wer bewahrt mich vor dem Erwachsenwerden? Der Mond? Nein, er hing längst wieder hoch am Firmament, zu weit weg für Kinderarme. Ich sprang in die Tiefe und merkte, es wurde windig. Bald der Herbst, dann der Winter. Und ich fühlte mein Gesicht, das erste Barthaar, es wurde ernst.

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